Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Lucy feat. GG

LucyfeatGG web

Seit ich schreibe, habe ich nicht nur weniger Zeit zum Lesen – und hinzu kommt, dass mich ein spannender Roman viel zu sehr ablenkt. Denn eine gute Geschichte zieht mich so sehr in ihren Bann, dass ich nicht mehr den Abstand finde, um in meinem Stil weiterzuschreiben.

Gut, dass ich bei einem unserer Literatursalons GG traf.

GG ist Köchin, Mutter und hat eine Familie. Und ihr Hobby ist lesen. Dabei ist sie nicht nur eine Schnell- und Vielleserin durch alle Genre, sondern auch eine geübte Leserin, die schnell erfasst, warum ein Buch für sie persönlich richtig gut ist oder eben an manchen Stellen schwächelt.Hinzu kommt: Sie ist unerschrocken und liest auch die gruseligen Thriller, die mir den Schlaf rauben würden. Sie kennt darüber hinaus wahnsinnig viele Bücher und ist selbst in der Lyrik sehr versiert.Also für mich ein Glücksfall. Am liebsten würde ich sie einstellen, doch jedes Mal schüttelt sie den Kopf – sie arbeitet als Köchin und Lesen soll ihr Hobby bleiben – ihr ganz persönliches Vergnügen.

Und deshalb kommen nun ihre Rezensionen unter „Lucy fest GG“ hier in den Blog.

I proudly to present GG – die Erste:

Regie buch1

Gelesen von Gabi Graf

Inhalt:

Iskari ist die Todbringerin. Asha ist Iskari. Seit sie als Kind durch Drachenfeuer schwer entstellt wurde, kennt Asha nur ein Ziel, sie muss alle Drachen vernichten. Nur dadurch kann sie ihre Schuld ihrem Volk gegenüber ableisten. Bei dem damaligen Angriff wurde die Hauptstadt fast verwüstet und hunderte Einwohner starben. Zu Ashas Sühne gehört auch, dass sie ihren Retter heiratet. Jarek, ihren größten Feind und Kommandant des Königs. Die Heirat kann sie nur verhindern, wenn sie Kozu, den Drachenältesten tötet. Selbst für die Iskari eine unlösbare Aufgabe.

Doch es gibt einen, der zu Asha hält und ihr helfen will. Torwin, Sklave von Jarek und Rebell. Er lässt sich von Asha und ihrer Aufgabe nicht einschüchtern und erobert Stück für Stück das Herz der Iskari. Und die muss schmerzhaft lernen, dass nicht alle Familienmitglieder das sind, was sie zu sein vorgeben.

Fazit:

Iskari ist der sehr gelungene Auftakt einer Trilogie. Diese Geschichte muss unbedingt weitererzählt werden.

Mir hat besonders gut gefallen, wie die Hauptperson agiert und reagiert und mit jedem neuen Schritt eine Reifung erlebt. Das ist echt gut nachzuvollziehen. Man kann gut mit Asha mitfühlen, wie sie eisern ihren Stolz bewahrt, wie sie Enttäuschungen verdrängt und sich zögerlich mit einem Drachen anfreundet. Alle Figuren sind gut erarbeitet, die Grausamkeit von Jarek, oder das erwachende Selbstbewusstsein von Torwin.

Empfehlung:

Ein Hit für alle, die Fantasy, Abenteuer, Drachen und eine zarte Liebesgeschichte mögen. Eher was für Mädchen, ab 14 Jahre. Hoffentlich lässt die Fortsetzung nicht so lange auf sich warten.

Schulnote: 1

IskariderSTurmnaht

 

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Krimis, Thriller und spannende Romane

LucyKrimis2017

Da mein Leben als Buchhändlerin sich ständig um Bücher dreht und ich unendlich viel lese, werde ich hier meine persönlichen Lesetipps geben. Und zwar sehr persönlich und keinesfalls objektiv. Denn ich bin ja in geheimer Mission...

Das Original; John Grisham

John Grisham... er schreibt jedes Jahr ein Buch. Und das seit 1986. Schon alleine deshalb war in Hinblick auf meine eigene Karriere als Autorin ziehe ich den Hut vor dem Großmeister des Thriller – und dazu noch ein Roman über einen Buchhändler und ein handgeschriebenes Manuskript...

Buchinhalt:

Ein Coup, der die Buchwelt erschüttert

In einer spektakulären Aktion werden die handgeschriebenen Manuskripte von F. Scott Fitzgerald aus der Bibliothek der Universität Princeton gestohlen. Eine Beute von unschätzbarem Wert. Das FBI übernimmt die Ermittlungen, und binnen weniger Tage kommt es zu ersten Festnahmen. Ein Täter aber bleibt wie vom Erdboden verschluckt und mit ihm die wertvollen Schriften. Doch endlich gibt es eine heiße Spur. Sie führt nach Florida, in die Buchhandlung von Bruce Cable, der seine Hände allerdings in Unschuld wäscht. Und so heuert das Ermittlungsteam eine junge Autorin an, die sich gegen eine großzügige Vergütung in das Leben des Buchhändlers einschleichen soll. Doch die Ermittler haben die Rechnung ohne Bruce Cable gemacht, der überaus findig sein ganz eigenes Spiel mit ihnen treibt.

PS: Die Firma war der erste Thriller meines Lebens und hat mich damals ungemein gefesselt, so dass ich immer wieder gerne zu einem Grisham Thriller greife. Das Orginal ist zwar sehr spannend und ich habe seit langem Mal wieder eine Nacht durchgelesen, aber es ist kein Thriller. Dafür gibt es geballtes Leben von Autoren, Buchhändlern und dem Schwarzmarkt.

dasoriginal

Into the Water, Trau keinem. Auch nicht dir selbst. Autorin: Paula Hawkins  

Der momentane Shootingstar der Literaturszene… doch der Erfolg kam erst beim 5. Buch, als sie beinahe schon aufgeben wollte...Durchhalten scheint ein wichtiges Merkmal erfolgreicher Autoren zu sein...

Buchinhalt:

Der neue Spannungsroman von Paula Hawkins nach dem internationalen Nr.-1-Bestseller Girl on the Train.

»Julia, ich bin's. Du musst mich anrufen. Bitte, Julia. Es ist wichtig ...« In den letzten Tagen vor ihrem Tod rief Nel Abbott ihre Schwester an. Julia nahm nicht ab, ignorierte den Hilferuf. Jetzt ist Nel tot. Sie sei gesprungen, heißt es. Julia kehrt nach Beckford zurück, um sich um ihre Nichte zu kümmern. Doch sie hat Angst. Angst vor diesem Ort, an den sie niemals zurückkehren wollte. Vor lang begrabenen Erinnerungen, vor dem alten Haus am Fluss, vor der Gewissheit, dass Nel niemals gesprungen wäre. Und am meisten fürchtet Julia das Wasser und den Ort, den sie Drowning Pool nennen ...

 

PS: Ich, Lucy Schreck, werde durchhalten und meinen Roman zu Ende schreiben.

Intothewater

 

Illegal;  Max Annas

Spannender Krimi, der die Welt aus der Sicht einer Parallel Gesellschaft erzählt.

Buchinhalt: «Großes Kino! Annas guckt literarisch unter die Haut.» taz

Kodjo lebt in Berlin, seit Jahren schon. Doch Spuren hinterlassen hat er nirgends. Seine Adresse wechselt so oft wie seine Gewohnheiten, Kodjos Tagesablauf wird von zwei Dingen bestimmt: überleben. Nicht auffallen. Denn Kodjo ist illegal im Land.
Der junge Mann aus Ghana kennt sämtliche dunklen Ecken der Großstadt. Weiß genau, wie er der Polizei entgeht. Tut alles, um unsichtbar zu sein - und um unsichtbar zu bleiben.

Dann kommt der Tag, der alles verändert: von einem Abrisshaus aus beobachtet Kodjo einen Mord. Sieht den Täter davonfahren. Kodjo reagiert wie gewohnt: Verstecken, sich in Luft auflösen. Warten, dass der Mörder gefasst wird.
Doch der hat ihn gesehen. Und schickt dem unbequemen Zeugen seine Männer hinterher. Kodjo wird gejagt. Und die Polizei sucht den Mordverdächtigen: einen jungen schwarzen Mann.

Ein Krimi, ein politisches Buch, ein Gesellschaftsroman.

PS: Die Presse ist begeistert und der Roman zeigt eine neue Perspektive.

illegal

Dann schlaf auch du;   Leila Slimani

Buchinhalt:

Der Preis des Glücks

Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen - eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

PS: Frankreich – das Gastland der Buchmesse dieses Jahr in Frankfurt. Klar, dass ich über etliche Bücher von französischen Autoren gestolpert bin und hier: ein psychologischer Thriller, der wirklich unter die Haut geht.

dannschlafauchdu

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Haarextensions und ein Indienurlaub in der Palmblattbibliothek...

Haarextensions web

Das Tagebuch der Lucy Schreck kommt momentan zu kurz... ich gebe es zu. Seit ich an meinem Roman arbeite – das heißt ich schreibe, lese, streiche, zerknülle Papier, drücke die Delete-Taste, beginne neu. Da bleibt wenig Zeit für das Tagebuch schreiben. Selbst das Lesen kommt etwas zu kurz. Fatal in meinem Beruf als Buchhändlerin.
Das Autorenleben hatte ich mir wahrlich anders vorgestellt. Irgendwie tiefenentspannt, mit einer Tasse Tee auf dem Schreibtisch, das Fenster im Blick. Draußen lüftet sich langsam der Bodennebel und die Sonne verwandelt den Morgentau in ein wundervolles Glitzern. Hintergrundmusik ist das Tippen meiner Tastatur. Denn ich wurde von der Göttin der Muse geküsst. Doch ich höre nichts. Kein Klappern der Tastatur, kein Kuss der Inspiration. Stattdessen sitze ich da, starre hinaus und überlege wie am besten dieses jungfräuliche Blatt fülle. Was fühlt meine Hauptfigur? Und kann ich über Dinge schreiben, die ich selbst nicht erlebt habe?
Eine Schreibratgeberin meint hierzu auf ihrer Homepage: Man muss nicht in der Pfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben. JA, aber...
Ich möchte es wissen. Wie ist der Unterschied. Also reise ich demnächst nach Indien und besuche eine Palmblattbibliothek. Darum geht es nämlich in meinem Roman um Schicksal und Zufall und wie meine Protagonistin mit einer Hiobsbotschaft zurück in ihr Leben kehrt. Außerdem geht es um Liebe, Sex und Treue. Themen, die wenigstens uns Frauen beschäftigen. Hinzu kommt das Aussehen, Älter werden und spirituelle Erkenntnisse. Das ist viel... Ein Plan muss her. Denn ich möchte ja einen Roman mit Hand und Fuß.

Dabei stoße ich auf die Heldenreise von Ulrike Dietmann. Buche dort ein Seminar in einer bayrischen Kleinstadt und gehe anschließend zum Friseur. Denn meine Heldin lässt sich die Haare verlängern um für ihren Liebsten schöner zu sein. Diese Mal muss ich mich wohl in die Pfanne legen und es ausprobieren. Ich liebe mein Autorenleben und habe noch keine Zeile geschrieben. Dafür verkaufe ich nun andere Autoren und schmökere in den Zwischenzeiten in den Upanischaden um mich auf Indien vorzubereiten.

Heldenreise ins Herz des Autors; Ulrike Dietmann

Heldenreise

Die Upanischaden; Herausgeber Eknath Easwaran

Upanischaden

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Sommerpause... willkommen im Club der Zeitmillionäre

Sommerpause web

Sommerpause...

...die brauche ich dringend! Wie wahrscheinlich jede Mutter, jeder Selbstständige, jeder Schüler, vermutlich auch jeder Lehrer und am allermeisten die Männer.
Ich gebe zu, bei der Sommerpause für die Männer bin ich geneigt einen sarkastischen Unterton anzuschlagen. Denn sie leiden ja so furchtbar und sind ständig an der harten Front, während wir Frauen – ja, was machen wir eigentlich den ganzen Tag? Kaffee trinken? Bücher lesen?

Warum verstehen wir uns so selten? Die Männer und die Frauen! Oder geht das nur mir so, die einen pubertierenden Teenager und einen Midlife-crisis geplagten Ehemann mit durchs Leben schleppt?
Letzterer möchte nun auch noch seinen besten – frisch getrennten Freund mit in den Urlaub nehmen.
„Schatz, du liest doch eh nur...!“
Verdammt! Lesen ist meine Arbeit. Und nun möchte ich auch noch einen Roman schreiben – am besten einen auf dem das kleine rote Etikett Bestseller draufklebt. Obwohl ich grundsätzlich als Buchhändlerin einen gesunden Zweifel über solch markierten Büchern hege. Denn bekanntlich spricht allein die Tatsache, es handle sich um einen Bestseller, keinesfalls für die Qualität des Buches. Doch nun als Autorin möchte ich NATÜRLICH einen Bestseller schreiben. Schon alleine um meinen Buchladen quer zu finanzieren und den Traum eines Kinderbereichs in meinem Laden, der zum Lesen und Basteln einlädt, zu verwirklichen. Ruhe zum Schreiben mit Kindern, Ehemann und Männerfreund in einem kleinen Ferienhaus? Alles klar, ich bleibe zu Hause. Öffne vormittags meine kleine Buchhandlung und schreibe nachmittags an meinem Buch.

Goethe nickt bedächtig und schiebt mir einen kleinen Zettel zu:

„Des Menschen größter Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen lässt.“*

Hier meine Sommerpausenlektüre:

Zeitmillionare

Greta Taubert;  Im Club der Zeitmillionäre
Wie ich mich auf die Suche nach einem anderen Reichtum machte.

 

Hans Peter Roentgen; Schreiben ist nichts für Feiglinge

SchreibenFeiglinge

 

PS: Im August haben wir nur von Di –Sa: 9.00- 12 Uhr geöffnet


*Zitat; Johann Wolfgang von Goethe

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Wie Pippi verschwindet und Goethe auftaucht...

Goethe Roman web

Anscheinend kann ein geistiger Führer wechseln. Jedenfalls bei mir! Begonnen hat alles bei einer Diskussion im Literatursalon:
„Ich wette mit Ihnen, dass selbst Sie es schaffen, besser als dieser Coelho zu schreiben.“
Das war ein vernichtendes Urteil zum neuen Coelho – Weltbestseller wie immer und ebenfalls eine etwas abschätzige Beurteilung meines Schreibtalents. Also zwei Beleidigungen mit einer Klappe.
Um es gleich klarzustellen – „Der Alchimist“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Allein wegen dieses Buches war ich mit Beduinen in der Sahara wandern. Daher bin ich Paulo Coelho zu tiefem Dank verpflichtet. „Selbst SIE würden besser schreiben.“ Der Stachel saß tief. Als wäre es beinah unvorstellbar, dass ICH, die Buchhändlerin, einen guten Roman verfassen könnte.
Könnte ich einen Roman schreiben? War das als Kind – neben einem unversiegbaren Zugriff auf Bücher– nicht immer mein Traum gewesen?

Wie wird Frau zur Schriftstellerin und Autorin?

Die Buchhändlerin in mir erwachte und begann zu recherchieren:

Neben zahlreichen Schreibratgebern und Büchern zum kreativen Schreiben fiel mir beim Abstauben der Bücherregale ein Buch hinunter. Die Folie zerriss und die eingeknickte Ecke des Umschlags machte das Buch unverkäuflich. Ich fluchte. Remittieren war diesen Monat ausgeschlossen. Als ich mich bückte, sah ich ihn das erste Mal. Er lief auf dem Buchrücken auf und ab. Dieses kleine Männchen mit dem Zopf im Nacken und einem Frack, der vor einigen Jahrhunderten wahrscheinlich modisch der letzte Schrei war. Die Hände trug er hinter dem Rücken verschränkt. Mein Gesicht kam näher und da blickte ich in diese strahlend blauen Augen, die vor Freude funkelten.
„Ich bin dein Schreiblehrer!“
„Wer bist du? Pippi, hast du dich verkleidet?“
Mit dieser Frage schoss er in die Höhe und wuchs zu meiner Größe. Erschrocken blickte ich mich im Buchladen um. Keiner schien etwas zu bemerken, außer das kleine Kind in der Ecke auf dem Sitzsack. Dessen Mund stand weit offen. Der Weißzopf führte seinen Finger vor den Mund und flüsterte zu dem Kind: „Pssst. Du darfst mich nicht verraten.“ Wie hypnotisiert nickte es.
Dann wandte er sich zu mir und sprach: „ Madame, darf ich mich vorstellen: Johann Wolfgang von Goethe. Übrigens, das rosafarbene Kleid steht Ihnen exzellent. Die Zusammenarbeit wird ein Fest der Sinne und alleine unsere Fantasie kann erahnen, wohin uns diese Reise führen wird.“ Erstaunt wollte ich antworten, doch ich brachte keinen Ton heraus. Er lächelte amüsiert und zeigte mit einem Stock, der wie ein Wunder plötzlich in seiner Hand erschien, auf das Buch: „Nimm die Lektüre mit in deine Kammer. Sie ist, was du suchst.“ Kopfschüttelnd hob ich das Buch auf und erst jetzt bemerkte ich, dass ich „Die unendlichen Geschichte“ in Händen hielt. Ich kassierte die letzten Kunden und natürlich nahm ich das angeschlagene Buch mit. Vor so vielen Jahren hatte ich es gelesen, doch als Schreibratgeber war sie mir nicht in Erinnerung. Ich erinnerte mich an Fuchur und die Bavaria-Filmstudios und meinen damaligen Wunsch, Schauspielerin zu werden, um dann auf Drachen durch Filme fliegen zu können.

Abends, als mein Mann vor dem Fernseher einparkte und die Kinder schliefen, öffnete ich das Buch ... und tauchte ein in die Welt Fantasias. Ich las und las – erstaunt, welche Weisheit dieses Buch besitzt, und tatsächlich verriet es mir eine Menge über Geschichten und Helden und warum Geschichten Helden so dringend benötigen.

Ein Buch, das es sich öfter zu lesen lohnt:

Die unendliche Geschichte von Michael Ende.

dieunendlicheGeschichte

Und ein paar Schreibratgeber, die ich mir dennoch gekauft habe:

Duden Ortheil1
-    Dudenedition über das Schreiben

RomanineinemJahr
-    Doughty,Louise: Ein Roman in einem Jahr

ueberdasSchreiben
- Stein, Sol: Über das Schreiben

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Nahkampfgebiet Schule

nahkampf schule web

Pippi und die Schule ...

... das elterliche Nahkampfgebiet

Es gibt anscheinend Kinder, bei denen ist Schule kein Thema. Die Eltern sind entspannt, die Einser finden von alleine ihren Weg ins Zeugnis. Nicht bei mir und meiner Tochter. Die Einladung zum Elterngespräch lag auf dem Küchentisch. Ein dicker Knoten breitete sich in meinem Magen aus. Die Mischung aus Sorge, Angst und Unmut ließen meine Stimmung auf den Gefrierpunkt sinken.

Meine Tochter hat keine Schulangst und wird auch nicht gemoppt. Weit gefehlt. Sie ist völlig tiefenentspannt. Selbst Sechser bringen sie gar nicht aus der Ruhe. „Mama, chille mal. Ich kann Englisch. Nur eben nicht schreiben. Ist ja schließlich auch eine Sprache.“ Ja, sie kann Englisch sprechen, doch das interessiert keinen. „Nicht in der Schule. Und ein Schulabschluss ist nun mal wichtig. Das ist eine Tatsache!“, brülle ich, völlig entnervt und hilflos. Nachdem Türen zugeknallt wurden, sitze ich alleine am Küchentisch.

Einen Tag später befinde ich mich vor dem Lehrer im Elterngespräch und fühle mich so hilflos wie ein Kind. Meine Augen füllen sich mit Tränen, die ich tapfer hinunterschlucke. Warum? Ich bin über vierzig und selbst in der Werbeagentur konnte mir keiner schräg kommen. Da lachte ich. Auch im Buchladen stehe ich meine Frau, doch sobald ich diese Hallen des Strebens betrete, werde ich wieder zum Kind.

Pippi hat mich natürlich nicht begleitet, sie hat sich krass verweigert. Allerdings hatten wir vorher eine ausgiebige Diskussion über den Sinn und Unsinn der schulischen Bildung und meiner wohl völlig absurden Vorstellung vom Leben.

Pippi schlich um mich herum und zog dabei eine Grimasse. Ich hole mir einen Tee. Zur Entspannung. Pippi setzt sich wieder mal im Schneidersitz auf den Küchentisch und pfeift vor sich hin. Ich kenne das. Wenn ich jetzt nicht mit ihr rede, zieht sich das den ganzen Tag hin. Deshalb frage ich etwas genervt: „Also, Pippi? Was ist nun deine Meinung dazu?“

„Gut, ihr müsst in die Schule, wobei ich dies als ungeheure Einschränkung der Freiheitsrechte sehe. Ist es nicht viel schöner, auszureiten und glücklich zu sein?“

„Hallo, Pippi! Aufwachen! Wir haben keinen Koffer voller Gold“, empöre ich mich.

Sie bohrt nachdenklich in der Nase, um den Popel dann genauestens auf ihrem Zeigefinger zu untersuchen.

Als sie das Interesse daran verliert, fragt sie scheinbar harmlos:

„Warum geht ihr überhaupt zur Schule?“

„Damit die Kinder fürs Leben vorbereitet sind. Dort lernt man alles Wichtige! Und dann kann man studieren“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Pippi zieht ihre Augenbrauen hoch.

„Vielleicht wird deine Tochter Königin von Timbuktu oder erfindet eine Geldmaschine oder erforscht unbekannte Planeten? Bereitet sie die Schule darauf auch vor? Vielleicht verschwendet sie gerade ihre ganze Lebenszeit? Oder muss man wirklich wissen, was eine adverbiale Bestimmung ist?“

„So läuft es eben.“ Fest presse ich meine Lippen zusammen. Auf keinen Fall möchte ich Pippi recht geben, obwohl ich mich sehr oft frage, ob das Schulwissen noch Sinn macht. In Zeiten von Internet und einem allumfassenden Wissen, auf das wir Zugriff haben, sollte eigentlich anderer Lernstoff als Auswendiglernen von Bibeltexten und Skeletten des Rinds und Co unterrichtet werden.

Um es frei nach Humboldt zu sagen: Schule sollte das Potenzial eines Kindes entwickeln und es nicht zum Auswendiglernen von Themen verdonnern, die es längst überall im Internet gibt.

Seht die Kinder als kreative Wunderwerke voller Kichern und Geistesblitzen und nicht als Hamster, die täglich das Murmeltier in ihrem Laufrad begrüßen.

Verbiegt sie nicht, sondern gebt ihren Stärken Nahrung, um uns neue Wege zu zeigen ...

Ich habe das Elterngespräch überstanden, meine Tochter ist zu unorganisiert.

Es dauert zu lange, bis ihre Bücher auf dem Tisch liegen. Deshalb musste ich also anrauschen. Da kam mit Humboldt in den Sinn. Um ihn frei zu zitieren: Schule sollte die möglichen Stärken der Menschen entwickeln.

Nun bin ich mit Pippi einig und interessanterweise gibt es hierzu zwei fantastische Bücher, die mir aus der Seele sprechen:

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Herumliegende Socken und die Wahrheit

Socken17

Ich tigere durch die Wohnung und schimpfe vor mich hin. Pippi sitzt pfeifend im Wohnzimmer und schnitzt an einem imaginären Stock, der zum Glück keinen Dreck macht. Ich schupse sie unsanft zur Seite, um mir den Strumpf zu angeln auf dem sie es sich bequem gemacht hat.
„He! Welche Laus ist dir denn jetzt schon wieder über die Leber gelaufen?“ Wie auf Kommando lege ich sofort los: „Überall lässt er seine Socken rumliegen! Das bringt mich noch um den Verstand!“ Pippi schüttelt den Kopf. Trocken und nasebohrend meint sie: „Sie rumstehen zu lassen, wäre auch eine Kunst. Meinst du etwa, man kann Socken hinstellen?“ Dabei beißt sie auf ihrer Lippe und scheint tatsächlich zu überlegen. „Pippi!!! Das ist doch gar nicht der Punkt! Diese Unordnung hier! Keiner räumt auf. Alles ist mein Ressort“, fauche ich. „Also mich stört es nicht. Ich habe es gar nicht bemerkt“, sagt Pippi und schnitzt weiter. „Sie machen das mit Absicht. Ich könnte wetten. Überall lassen sie einfach alles stehen und liegen.“ „Wer?“, fragt Pippi erstaunt. „Mein Mann und die Kinder.“ „Ja und? Scheint ja niemanden außer dich zu stören“, antwortet Pippi. „Das ist es ja gerade, was mich so ärgert. Keiner interessiert sich fürs Aufräumen oder den Haushalt. Aber wehe sie suchen es. Dann schreit jeder MAAAMMMMAAAA! Alles bleibt an mir hängen!“, schimpfe ich weiter. „Wieso?“ – „Was wieso?!“ – „Na, wieso ärgert es dich und wieso bleibt was an dir hängen? Bist du ein Sockenmagnet?“ Plötzlich sieht mich Pippi mit weit aufgerissenen, funkelnden Augen an. „Das wäre ja genial! Du läufst durch die Gegend und alle Socken bleiben an dir hängen. Stell dir das mal vor! Dann hättest du einen Sockenmantel. Irgendwann wären es so viele Socken – die du anderen Menschen von den Füßen ziehst –, dass du eine riesige Sockenlawine ins Rollen bringen würdest ... Deshalb laufen die Menschen in Taka-Tuka-Land lieber barfuß.“ Sie lacht und und ihr Lachen steckte mich an. Alleine die Vorstellung wie mir die Socken zufliegen, war irre komisch. Aber nur für einen Moment, dann kommt der Ärger mit voller Wucht zurück. „Ich verstehe nicht, warum er die Socken nicht in den Wäschesack tut!“, sage ich murrend „Vielleicht will er ja nicht, dass sie gewaschen werden“, antwortet Pippi pragmatisch. „Natürlich will er das. Sonst hat er ja irgendwann keine sauberen Socken mehr.“ „Woher willst du sicher wissen, dass es so ist? Das ist nur das, was dir im Kopf rumspukt. Außerdem stören sie ihn ja nicht, also lass sie doch einfach liegen“, ergänzt Pippi. Das kleine Monster namens Ärger wächst und wächst. Es wird übergroß, droht mich zu übermannen. „Aber mich stören sie!“ „Na, dann heb sie halt für dich auf. Dann brauchst du dich doch nicht zu ärgern, denn du machst ja nur, was du möchtest?! Also manchmal verstehe ich dich echt/wirklich nicht“, meint Pippi, die mittlerweile auf dem Wohnzimmertisch steht und wie ein Steuermann Ausschau hält. „Wenn ich was mach, was ich will, freu ich mich. Wenn ich etwas nicht machen möchte, mache ich es nicht. So einfach ist das.“ Sie schüttelt über so viel kompliziertes Gerede den Kopf und hüpft vom Tisch. „Seine Socken sind doch nicht dein Problem. Er braucht sie doch.“ Grinst sie, fröhlich vor sich hin pfeifend.
„Ich gehe jetzt duschen!“, sage ich ein wenig nachdenklich.

Unter der Dusche: Ich überlege mir, ob Pippi recht hat? Ich will, dass die Socken nicht auf dem Boden rumliegen. Allerdings glaube ich nicht, dass mein Mann sich nicht saubere Socken wünscht. Nur – Pippi hat recht –: Ich sollte nur die Socken waschen, die im Wäschekorb liegen.

Worüber ärgere ich mich? Warum ärgere mich? Was geht eigentlich in mir vor, wenn ich mich ärgere? Sind meine Gedanken wahr? Ist es wirklich so oder täusche ich mich? Täusche ich mich? Für wen räume ich die Socken weg?
Bei diesen Überlegungen fiel mir Byron Katies Buch beinahe auf den Kopf.

Und was war dort die große Frage?
Ist das wirklich wahr? Muss er die Socken aufräumen? Nein, er tut es nicht. Das ist die Wahrheit.
Und die Antwort:
Also stört es mich, dann muss ich sie wegräumen oder es einfach sein lassen ...

Die passenden Bücher:

Byron Katie, Stephan Mitchell; Lieben was ist

Liebenwasist

Byron Katie; The Work

Thework

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Tagesstart mit Pippi oder was Langstrumpf und Schiller verbindet

LucySchreck16 schillerweb

Pippi taucht auf und verschwindet nicht wieder ... Im Gegenteil: Ich sehe sie überall. Außer mir scheint sie jedoch keiner zu bemerken.

Nach dem Frühstück beobachtet mich die Langstrumpf beim meinem morgendlichen Kampf vor dem Kleiderschrank. Ich fluche. Hose zu eng. Bluse hat einen Flecken. Bei dem anderen Oberteil zeichnen sich meine kleinen Speckschwarten ab, die sich wann auch immer unbemerkt auf meine Hüfte gelegt haben und diesen gemütlichen Platz scheinbar nie mehr aufgeben werden. Während ich stöhnend Kleider rausziehe, an- und wieder ausziehe, probiert Pippi meine Hutkollektion aus. Irgendwann wird es ihr langweilig und sie beobachtet mich – natürlich mit Kommentar: „Warum machst du denn so ein Theater vor dem Kleiderschrank? Es scheint dir ja keine Freude zu bereiten, dich zu verkleiden oder was Schönes anzuziehen. Und nun hast du eine halbe Stunde benötigt, um einen dunkelblauen Rolli zu einer dunkelblauen Hose anzuziehen! Wie langweilig!“ Ich halte inne und betrachte Pippi. „Was soll ich denn deiner Meinung nach anziehen?“ „Na, etwas Besonderes, etwas, was dir Freude macht. Was den Tag leuchten lässt.“ Mit diesen Worten zerrt sie ein schickes orangefarbenes Cocktailkleid hervor, das ich noch nie getragen habe. Irgendwie war es immer zu auffällig Nie war der richtige Anlass. „Oh Pippi, dafür habe ich jetzt wirklich keine Zeit mehr und überhaupt ...“ – „… und überhaupt ist es nicht langweilig genug. Wie so vieles in deinem Leben. Du warst doch nicht immer soooo FARBLOS. Wann setzt du eigentlich die Hüte auf? Hab dich noch nie damit gesehen“, motzt Pippi weiter. Das Schlimmste: Sie hat leider recht! Wann habe ich eigentlich meinen früher eher modischen, extravaganten Kleidungsstil gegen einen langweiligen, praktischen Alltagslook getauscht?

Heute wäre ein guter Tag, um dies zu ändern! Also ziehe ich mich aus, das orange Cocktailkleid an, dazu Strumpfhose, Stiefel und Weste. Durchaus buchladentauglich. Etwas eng und nicht resistent gegen schmutzige Kinderfinger, aber bevor es nur im Schrank hängt und ich sterbe, ohne es jemals getragen zu haben ... Lieber gelebte Stunden und Flecken voller Erinnerungen, als den Moment zu verpassen. Pippi johlt vor Freude und wirft mit BHs durch die Gegend. Ich sehe sie streng an. Allerdings weicht dem augenblicklich ein Grinsen, als mir mein Spiegelbild entgegenblickt. Sie hat recht! Mein Tag beginnt nun fröhlich und einen Hauch verwegen. Als ich das Haus verlasse, spüre ich ein Kribbeln im Bauch. Ich gehe ja nicht jeden Tag so aufgebrezelt in die städtische Wildbahn. Doch die ersten Komplimente lassen nicht lange auf sich warten und damit erstrahle auch ich zu voller Blüte. Obwohl ich nicht tief einatmen kann, da das Kleid einfach keinen Platz mehr bietet. Das nehme ich einfach wie eine Lady hin. Das Mittagessen fällt dadurch ins Wasser. Eine völlig neue Art von Diät ...
Ich fühle mich plötzlich bohème ... irgendwie zurückversetzt in die guten alten Zeiten der Buchhandlungen. Deshalb begrüße ich meine Kunden heute mit Sekt, Tee und kleinen Keksen. Es wird ein besonderer Tag, der sicherlich vielen im Gedächtnis bleiben wird. Und die Welt irgendwie ein kleines bisschen erträglicher macht.

Um es literarisch auf den Punkt zu bringen:
„Der Einfall war kindisch, aber göttlich schön.“ Friedrich von Schiller

Weil er so recht hat – der Schiller –, dachte ich mir, es wäre mal wieder an der Zeit, die Weimarer Klassiker aufleben zu lassen. Sie gestatten: Schiller und Goethe gleich neben den gesammelten Werken von Astrid Lindgren.

 

Meine ausgewählten Schiller-Bücher:

Klassisch gut! Schiller-Zitate

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Schiller zum Vergnügen

KennstduFriedrichSchiller.jpeg

Kennst du Friedrich Schiller?

 

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Hypnose - Seminar Teil 2

Lucy 15 web

Während der Kaffeepause breitete Dieter ein rotes Tuch aus und zeigte mir mit einer Handbewegung, dass ich mich darauflegen sollte.
Ich schloss die Augen, auf dem Rücken liegend, und fühlte mich völlig ausgeliefert. Alles in meinem Körper weigerte sich gegen diese Hypnose. Mein Gehirn verkündete ständig: Bleib wachsam! Nicht einschlafen!
Dennoch hörte ich auf seine leise Stimme, die mich trotz aller Gegenwehr langsam in den Schlaf lullte.
Ich erwachte vollkommen erholt. Alles in mir war entspannt und ausgeruht. Diesen Zustand vermisste ich seit Jahren. Deshalb strahlte ich Dieter an, der mich erwartungsvoll ansah: „Und? Wer hat dich in Trance besucht?“
Ich überlegte kurz, dann zuckte ich die Achseln. „Pippi Langstrumpf, Karlsson vom Dach und die Kinder von Bullerbü ...“ Ich sah ihm an, dass dies nicht die erhoffte Antwort war, und ließ mich ein wenig von seiner Enttäuschung anstecken. Die anderen kamen zurück. Er raunte mir noch zu: „Nach dem Seminar habe ich noch eine halbe Stunde Zeit ...“
Als alle wieder im Raum waren, wurde ein Abschlusstanz veranstaltet. Alle sollten sich zur Musik mit ihren Emotionen und ihrem geistigen Führer durch den Raum bewegen.
Eigentlich war ich mir sicher, das mich keinerlei Emotionen erfassen würden, und während ich die anderen verklärt durch den Raum schweben sah, konnte ich mir ein herablassendes Grinsen kaum verkneifen.
Dieter kam zu mir, verscheuchte mich von meinem Stuhl und wisperte mir zu: „Lass es raus. Gib dich deinen Gefühlen hin.“
Als Erstes ergriff mich ein Lachkrampf, den ich nicht mehr stoppen konnte. Und dann fühlte ich diese Energie, die mich das letzte Mal in der Grundschule überfallen hatte. Ich wirbelte durch den Raum. Machte große Sprünge, glich mehr einem Kobold als einer Elfe. Ich hüpfte, lachte und drehte mich, bis ich vor Schwindel auf dem Boden lag. Irgendwie hatte ich das Gefühl, Pippi Langstrumpf wäre in meinen Körper gefahren. So wild hatte ich mich schon lange nicht mehr benommen. Und das Allerbeste: Es war mir egal, was diese anderen Führersuchenden dachten. Es kribbelte überall in meinem Bauch, als habe ich literweise Brause in mir. Mein Herz hüpfte vor Freude und am liebsten hätte ich jeden umarmt und laut aufgejauchzt.
Als all die Erleuchteten davon geschwebt waren, widmete sich Dieter mir und meiner Bande erneut. Ich hatte nichts gegen die Hypnose; verschaffte sie mir doch in Minuten das Erholungsgefühl eines Sommerurlaubes.
Bei seinen Worten: „Dein geistiger Führer wird nun auftauchen und dich stetig begleiten und du wirst genau den bekommen, der absolut passend für dich ist und dir mit Rat und Tat zur Seite steht, damit du deinen Lebensweg wieder findest ...“ tauchte ich wieder ins Dunkel ab.
Ich erwachte durch sein Schnipsen, verabschiedete mich rasch und fuhr in Richtung Heimat. Laut pfeifend und so lebendig, dass ich erschrocken an der Ampel aufschrie, als ich neben mir eine leicht durchsichtige Gestalt erblickte.
Pippi Langstrumpf! Sie hüpfte auf dem Autositz, war ungefähr 50 Zentimeter groß und eindeutig sichtbar. Zitternd hielt ich am nächsten Parkplatz an. Ich stieg aus, atmete tief ein und aus, umrundete das Auto und erst als ich mich wieder normal fühlte, spähte ich wieder ins Wageninnere.
Sie war immer noch da. Kopfstand machend auf dem Beifahrersitz. Ich zückte mein Handy. Dieter musste her und Pippi musste weg. Ansonsten war ich ein Fall für die Psychiatrie. Mailbox. „Lieber Suchender. Sende mir eine E-Mail. Ich bin für 4 Wochen im Schweigeretreat und werde mich danach bei dir melden ...“
Dieser Idiot. Pippi war nun am Fenster und schnitt in meine Richtung Grimassen. Langsam fröstelte ich. Meine Großmutter kam mir in den Sinn: „Du musst den Stier bei den Hörner packen!“ Also stieg ich zurück ins Auto und versuchte, Pippi an den Zöpfen zu packen. Vergeblich. Sie lachte und meinte: „Hey. Ich gehöre nun zu dir. Ich zeig dir, wie man einen Schatz findet.“ Dann kletterte sie auf die Rückbank und wackelte mit den Füßen. Ich beschloss, nach Hause zu fahren, eine Nacht zu schlafen und morgen würde diese Vision bestimmt verschwunden sein. Es war wohl doch ein bisschen viel Hypnose gewesen. Da war es sicherlich normal, irgendwelche Erscheinungen zu haben. Schweigend fuhren wir nach Hause. Ich ging sofort ins Bett, zog mir die Decke über den Kopf und fiel in einen unruhigen Schlaf.

 

Buch zum Thema:

Die Paulis in Takatukaland; Gernot Gricksch

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Seminar oder: Die Eliminierung des kleinen Teufels

Seminr1 Lucyweb

Zuallererst lernten wir zu entspannen. Einatmen – ausatmen – ich gähnte, als mich die Stimme des Seminarleiters aufschreckte: „Du bist zu tief. Konzentriere dich.“
Also blinzelte ich durch meine Wimpern und blickte direkt auf den dicken Bauch mir gegenüber, der sich rhythmisch hob und senkte. War er gemeint? Oder die Zigeunerin mit langen wehenden Haaren und dem bunten Rock, die so was von alternativ war, dass sie alleine durch das Schließen der Augen in Meditation verfiel. Oder gar ich? Er legte die Hand auf meine Schulter:
„Schließe die Augen. Einatmen und wieder ausatmen. Ich zähle nun bis fünf: 1 ... 2 ... 3 ... 4 ... 5. Du begegnest nun deinem inneren Führer. Es kann auch eine Frau oder ein Tier sein.

Gerade war ich noch mit dem Gedanken beschäftigt, dass wenn Frauen und Tiere auf einer Ebene stehen, wo waren dann die Männer?, als das Weiß vor meinem inneren Auge sich lichtete und es erschien:
Astrid Lindgren! Sie hat eine riesige Geschenkbox bei sich, die nun aufspringt und heraus hüpfen, wirbeln, fliegen: Pippi, Michel und die Kinder von Bullerbü, selbst Karlsson vom Dach steigt auf. Sozusagen die gesammelten Werke. Dann nickte sie mir zu und löst sich auf. Ich bezweifele, dass diese Schar mir wirklich helfen kann! Denn in meiner Welt wäre Pippi schon lange im Kinderheim oder bei einer Pflegefamilie – oder würde wenigstens regelmäßig zum Kinderpsychologen gehen, da sie ein Trauma hat – Mutter tot, Vater abgehauen, spielt sie sich nun als König von Mallorca auf (ein Haufen Kohle von einer Realityshow à la „Die Geissens“).
Pippi lacht. Völliger Blödsinn. Aber wahrscheinlich hätte sie einen eigenen YouTube-Kanal und würde regelmäßig die Kinder über Instagram motivieren, die Erwachsenen nicht ernst zu nehmen: denn DIE wissen nicht, was sie tun.
Aber sie jagen dem kleinen Teufel hinterher. Der rennt um sein Leben. Ich klatsche und freue mich. Dann haben sie ihn umzingelt, fesseln ihn mit einem langen Seil und sperren ihn ein.
Nun sitzt er wie Hänsel und Gretel in einem Käfig und feixt. Allerdings macht er es sich binnen Sekunden gemütlich und mampft Lebkuchen.


Die Meditation war beendet. Stuhlkreis des Seelenstriptease. Alle berichteten von ihren tollen inneren Führern. Von Jesus über Buddha bis hin zu Moses war alles dabei. Der Seminarleiter Dieter nickte jedes Mal bedeutungsvoll und lächelte. Bis ich an die Reihe kam – mit Astrid Lindgren und ihrer ganzen Mannschaft.
„Du bist zu kopflastig. Dein Leben als Buchhändlerin überschattet deine Seelenebene. Ich werde nachher in einer Hypnose zum Kerne deines Inneren vordringen und wir werden deinem wahren inneren Führer begegnen.“ Er sagte das so sanft, dass meine Härchen an den Armen aufstanden und ich Gänsehaut bekam. Wollte ich ihn in meinen inneren Kern lassen? Ich fand Pippi bei Weitem amüsanter als die heilige Muttergottes oder Jesus.
Dennoch wollte ich kein Spielverderber sein, zumal ich mich eh schon als ein Mensch ohne den rechten spirituellen Zugang fühlte.
Also ab zur Hypnose ...

 

Zur Inspiration:

Astrid Lingren; Das Beste von Astrid Lindgren

Astrid Lindgren; Ur-Pippi

 

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Das Ende der Idylle

Lucy13 schoeneZeit web

 

Vier Tage Glück ... bis mein Mann nach Hause kam. Er suchte sofort den Fernseher samt Fernbedienung. Also sagte ich (nicht ohne Stolz in der Stimme):
„Alles ist weg! Fernseher, XBox, Nintendo, Handys, Laptop. Wir waren nun vier Tage medienfrei. Manchmal liegt im Unglück eine große Chance ...“
Er ging überhaupt nicht auf meine philosophischen Anspielungen ein, sondern beschäftigte sich ausschließlich mit Fakten.
„Warst du bei der Polizei? Wie konnte das passieren?“
Er war geschockt, fuhr direkt zu Media Markt, um einen Fernseher zu kaufen, wollte alles der Versicherung melden und erstand in diesem Zuge gleich eine Alarmanlage von Apple.
Als die Kinder schliefen, beichtete ich ihm meine Aktion, um ihn von einem Polizeibesuch abzuhalten.
„Lucy, du solltest in psychische Behandlung“, meinte er trocken und schüttelte ungläubig den Kopf, als ich ihm von den tollen Tagen ohne Medien vorschwärmte:
„Stell dir vor: Wir haben Karten gespielt, Schokofondue gemacht und sind in der Nacht mit Fackeln gewandert – ohne Handy, ohne App, ohne dass einer lieber herumballerte ... Wir haben Sternschnuppen gezählt und uns gegenseitig vorgelesen. Es war himmlisch.“
„Du kannst die Zeit nicht zurückdrehen! Und wo waren die Kinder nachmittags?“
„Bei Freunden. Warum?“ Worauf wollte er hinaus?
„Was, denkst du, haben sie dort gemacht? Geglotzt und gezockt und gesnapt ...“
„Trotzdem! Abends war es schön. Wie früher irgendwie.“
„Hast du überhaupt daran gedacht, dass die Kinder nun vor Einbrechern Angst haben? Dass du die Realität verbiegst, wie es dir gerade passt? Ich finde diese Aktion unverantwortlich.“
„Na ja. Die Kinder wünschen sich nun einen Hund. Mit dieser Idee könnte ich leben.“
„Du musst ihnen die Wahrheit sagen!“ Er zappte sich durch die Programme, stand dann auf und holte sich ein Glas Rotwein.

„Niemals. Ich kann ihnen alles zurückgeben und sagen, dass die Polizei erfolgreich war und dass Diebe nie weit kommen. Wir können uns einen Hund anschaffen.“ Ich versuchte verzweifelt, meine Haut und meine Autorität als Mutter zu retten.

„Lucy! Wie wäre es mit Erwachsenwerden?“ Er war unnachgiebig. „Ein Freund von mir hatte eine Praxis. Gesprächstherapie.“

„Kein Psychiater – ich traue diesen Typen nicht. Ein Seminar, das ich mir selbst auswähle. Das wäre ein Kompromiss.“ Mir saß die Angst im Nacken.Diese Typen verdrehten einem jedes Wort im Mund, wollten alles wissen und ich hatte überhaupt keine Lust, meine knapp bemessene Freizeit auf einer Couch zu sitzen oder zu liegen. NIEMALS!

„Ich bestehe darauf und nun lass uns auch eine fernsehfreie Nacht genießen, du kleines Teufelchen.“ Er drückte den Aus-Knopf des neuen Geräts, küsste meinen Hals und wir hatten eine leidenschaftliche Nacht wie schon lange nicht mehr. Trotzdem bestand er auf das Seminar ...

Gut, ich gab ihm recht: Der kleine Teufel bedurfte dringend der Führung und Kontrolle, ansonsten würde er mich noch um Kopf und Kragen und vor allem um meinen Mann bringen.

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Der Einbruch

Blog Einbruch006web

Beinahe täglich bin ich genervt vom „Gezocke“ meiner Kinder. Handy hier – iPad dort und Nintendo leistet auch ganze Arbeit.
Auf „Essen ist fertig!“ reagiert kein Mensch – selbst mein Ehegatte starrt wie gebannt auf das Handy. Die vereinbarte Stunde mit den Kindern zieht sich immer in die Länge und lässt sich kaum kontrollieren. Dabei könnte ich ihnen jetzt so viele Bücher mitbringen – wie hätte ich mir als Kind danach die Finger geleckt! Kaum Interessen. Die Mädeln lesen zwar Pferdebücher, doch der Große interessiert sich höchstens für das Guinnessbuch der Weltrekorde.
Ich finde, es wäre Zeit für eine Onlinepause. Kein Mensch kennt mehr langweilige Sonntage. Bei denen einem nichts anderes übrig bleibt, als sich in der Fantasie Geschichten auszudenken. Oder einfach nur die Straßenkreuzung zu beobachten. Oder Tiere in den Wolken zu suchen. Mein Sohn denkt womöglich, Wolken wären eckig wie bei Minecraft.
Heute Nachmittag ist es wieder besonders schlimm.
Ich drehe durch. Mein Teufel meint: „Wenigstens hast du deine Ruhe!“ – „Ich möchte aber gar nicht meine Ruhe. Ich möchte Kinder, welche die Welt noch mit ihren Sinnen erfahren und Raum für Fantasie haben.“
Und dann komme ich wieder wie ein Wachmeister mit der Uhr.
„Aufhören! Die Medienzeit ist vorbei.“
„Gleich“, wird mir entgegengemurmelt.
GLEICH höre ich gefühlte hundert Mal am Tag. Gefolgt von: „Noch kurz dieses Level, dieses Video ... Alles noch absichern.“
AAAAHHHHH! Irgendwann packt mich die Wut und ich schreie:
„Wenn ihr nicht sofort aufhört, schmeiß ich alles zum Fenster hinaus!“
„Mach doch!“, stichelt mein Teufelchen. „Feigling.“
Ich ignoriere es und gehe zum Sicherungskasten, um in bestimmten Zimmern den Strom abzuschalten. Endlich kommen Reaktionen. Zwar keinesfalls freundliche ... eher aggressives Geschrei.
Ich verlasse das Haus zu einem Spaziergang. Atme die frische Luft ein … da rattert es bereits in meinem Gehirn. Der Teufel ist nicht ganz unbeteiligt. Er flüstert mir ein: „Lass doch dieses ganze elektronische Zeug verschwinden ... über Nacht.“
Das ist ein Ansatz. Ich müsste einem Einbrecher einen Tipp geben. Aber der hinterlässt bestimmt eine Riesensauerei ...
Nachts, als mein Mann auf Geschäftsreise ist und alle Kinderlein endlich schlafen, ziehe ich meinen schwarzen Overall an, stülpe mir eine Strumpfhose über das Gesicht und nehme die Taschenlampe und einen großen Karton.
Als ich am Spiegel vorbeischleiche, muss ich kichern und mir wäre nach einem Selfie. Der Teufel sitzt riesig auf meiner Schulter und grinst von einem Ohr zum anderen. Ich hoffe, dass keines meiner Kinder aufwacht und ein lebenslanges Trauma hat. Der Teufel lacht hämisch. –„Was bist du bloß für ein Weichei! Los, sammle schleunigst das Zeug ein!“

Literaturlinks:

Christian Cohrs, Eva Oer: Generation Selfie
Florian Buschendorff: K.L.A.R.-Taschenbuch: Ohne Handy - voll am Arsch!
Molly Wigand: Heute mal ohne Handy, Computer & Co.

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Der Mahnbescheid.

Zeugenaussage web

Der Mahnbescheid ...

War die Euphorie anfangs recht groß, fielen mir nach und nach die Nachteile eines führerscheinfreien Lebens ein. Ich könnte jetzt nicht in das Konzert. Oder abends nach dem Literatursalon: Wie komme ich nach Hause? – Wer nimmt mich mit?

Das Foto von meinem Vergehen kam – und ganz ehrlich: Es war miserabel, oder besser eigentlich genial, denn man erkannte mich nicht. Also sendete ich keine Zeugenaussage zurück – okay, ich gestehe: Ich habe sie so lange in meiner Handtasche mit mir herumgetragen, bis sie auf unerklärliche Weise (ja geradezu mythisch) verschwunden war. So etwas passiert. Vor allem mir. Irgendwie steckt jeder alles in meine Tasche oder gibt es mir zum Aufbewahren – vom Ladekabel bis zur Elternabendeinladung, Überweisungen von Onlineshops, Hinweise auf tolle Bücher – wenn meine Handtasche dann das Gewicht eines Tankkanisters hat, werfe ich alles weg. Dabei muss ich auch die Zeugenaussage entsorgt haben. Natürlich keinesfalls mit Absicht. Drehten sich doch die ganze Zeit meine Gedanken darum, was ich dort nun reinschreibe. Das reichte von „Leckt mich – ich war es!“ bis hin zu „Keine Ahnung, wer diese Frau ist!“
Es kam, wie es kommen musste. Eines Tages parkte ein Polizeiauto vor meinem Buchladen und ein Mann in Uniform trat mit festen Schritten durch die Türe. Zum Glück war gerade kein Kunde im Geschäft.
Er zeigte mir das Fotos und sagte ohne Umschweife: „Ihr Mann hat sie darauf eindeutig identifiziert. “ Dieser Verräter! Da tauchte es wieder auf - mein Teufelchen. Es puffte mich in die Seite und sagte: „Ich erkenne mich dort nicht.“ Sekunden später starrte ich den Polizisten an. „Wer ist das? Er hat eine Freundin – das Schwein. Können Sie herausfinden, wer diese Frau ist?“ Dem Polizisten wich jegliche Farbe aus dem Gesicht. Peinlich berührt blickte er zur Seite. „Ähm. Klären Sie das bitte intern. Ansonsten muss Ihr Mann als Fahrzeughalter dafür haften.“ Der Beamte legte das Foto samt Formular auf den Verkaufstresen und sagte sehr formell: „Ich komme dann morgen wieder.“
Am nächsten Tag hatte ich natürlich fein säuberlich alles ausgefüllt. Nicht ohne vorherige Szene bei meinem Mann. Schließlich hatte er mich verraten.
Doch mein Mann blieb gelassen: „Das bist eindeutig DU! Ich sehe sogar, wie hinten die Kinder streiten.“
Auf den Zeugenbogen klebte ich einen POST-IT-Zettel: Er leugnet. Deshalb übernehme ich die Strafe!
Leider war ich nicht zugegen, als der Polizist kam. Meine Mitarbeiterin berichtete, dass er nur den Kopf schüttelte und schleunigst flüchtete.
Tja. Und nun – fühle ich mich wie vor meinem 18. Geburtstag in dem Körper einer Vierzigjährigen. Was bedeutet: Trampen fällt eher flach. Wenigstens sind meine Nachbarn wirklich freundlich und nehmen mich meist mit. Ansonsten sorgt das Fahrradfahren tatsächlich für straffe Oberschenkel. Auch bei meinen Kindern. Die zählen allerdings die Tage, wann ich sie wieder mit dem Auto herumkutschiere – bis dahin feixt mein Teufel. Der hat nun natürlich wieder Oberwasser.


Literaturlink:

• Karl Traunmüller: Der Polizist
• Uli Stein: Aufmachen, Polizei!

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Des einen Freud, des anderen Leid

Minimalismus001 web

Die Gedanken rattern in meinem Kopf. Konsum ist out – Genügsamkeit in. So weit einleuchtend. Außer man liest ein Buch – oftmals spirituell – da geht es um Fülle und um das Erfüllen von Träumen. Schreibt doch die sonst von mir geschätzte Frauenzeitschrift: ein gefülltes Bücherregal sei in Zeiten des Minimalismus anachronistisch. Was heißt das jetzt schon wieder? Ehrlich. Ich hasse Fremdwörter, die zeigen sollen, wie begabt der Schreiberling ist, und den Leser im Regen stehen lassen. Es heißt sicher nichts Gutes, das ist klar. Nur: Was heißt ANACHRONISTISCH genau und ist das wirklich so geläufig, um es schnell mal eben in einen Zeitschriftentext von vielleicht 100 Wörtern unterzubringen?
Fremdwörter, die nicht verstanden werden, suggerieren: PARDON; sagen dir: Lieber Leser, du bist ein wenig ungebildet, vielleicht sogar doof, wenn du dieses Wort nicht kennst. Bullshit! Der Teufel in mir rebelliert, der Rest holt sich das Fremdwörterlexikon – ja, ich besitze noch selbiges und ziehe es Wikipedia vor. OHHH, wie viele Wörter gibt es denn mit Anal … – der Abend scheint gerettet. Zu weit, wieder zurückzublättern: Hier: ANACHRONISTISCH – im Duden Fremdwörterlexikon: nicht in eine bestimmte Zeit passend, nicht zeitgemäß, zeitwidrig. Also, Bücher passen nicht in unsere Zeit, bei der alles optimiert und minimalisiert wird. Bei der Fremdwörter üppig verwendet werden, um einfache deutsche Ausdrücke zu ersetzen. Wo bitte schön ist das Minimalismus?!
Vereinfache dein Leben – simplify your life. Richtig, aber muss man denn gleich bei Büchern anfangen? Nicht nur, dass mit diesem Hinweis den Buchhandlungen die Lebensgrundlage entzogen wird, was natürlich nun auch mich betrifft, nein – so etwas Harmloses wie das Abschaffen des Bücherregals, schließlich werden wegen Büchern Bäume gefällt, zählt zu den 30 Dingen, welche die Welt verbessern sollen, oder war die Überschrift nicht: Rettet die Welt? Oh, oh – ich glaube, bei unserer nachhaltigen Forstwirtschaft sollte man zuerst Handys, Autos und anderen Schnickschnack abschaffen, um die Welt zu verbessern. Klar ist es einfacher, Bücher zu entsorgen, als etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Zum Beispiel mit Kindern malen oder ihnen Künstler und ihre Gedanken nahebringen oder Bücher austauschen und andere von diesem wundervollen Kulturgut begeistern. Oder Kindern und auch Erwachsenen einen Zugang zu unserer Kultur ermöglichen. Alles zeitintensiv ‒ da verramscht man lieber ein paar Bücher, beschließt, in die Bibliothek zu gehen – mal ehrlich: Wer macht das wirklich? Aber Hauptsache wir passen zum Zeitgeist.
Und – verkaufe ich nun entgegen dem Zeitgeist Bücher? JA! Ich verschenke sie sogar. An Freunde, an Mitarbeiter, bei Geburtstagen, an gute Kunden. Welch anachronistische Geste.
Falls jemand eine Bücherleasingvariante hat, steige ich sofort mit ein, doch bis dahin lebe ich in der Fülle deutscher Wörter, und wenn ich ein Buch verschenke, verkaufe oder aussortiere, nimmt ein neues diesen Platz ein. Sofort habe ich mir zwei neue Bücher bestellt: Leben mit Büchern und Meine wundervolle Buchhandlung! Morgen suche ich mir 30 weitere Dinge, die in meinen Augen die Welt verbessern ... gleich nach dem Aufstehen


30 Dinge, die in meinen Augen die Welt verbessern:

1. Ich kehre vor meiner eigenen Haustüre.
2. Ich kümmere mich um meine Angelegenheiten und bin bei meinen Mitmenschen tolerant (selbst wenn diese Bücher hinausschmeissen).
3. Was mir nicht passt, verändere ich – so weit es in meiner Macht steht.
4. Ich übernehme Eigenverantwortung.
5. Ich sehe in allen Menschen das unschuldige Kind.
6. Ich adoptiere ein Patenkind, das ich monatlich unterstütze.
7. Ich nehme mir Zeit für ältere Menschen.
8. Ich nehme mir Zeit für ein Gespräch.
9. Ich führe mit meiner lieben Tante ein Telefonat.
10. Ich helfe jemandem aus der Zwickmühle.
11. Ich nehme mir Zeit, das richtige Buch für jemanden herauszusuchen, um ihm in einer bestimmten Angelegenheit weiterzuhelfen.
12. Ich arbeite kreativ mit Kindern.
13. Ich gründe einen Leseklub.
14. Ich gründe eine Schreibwerkstatt.
15. Ich sammle Müll im Wald.
16. Ich verzeihe, um mich selbst von Altlasten und Groll zu befreien.
17. Ich besuche eine Kirche, um für jemanden zu beten.
18. Ich gönne mir eine halbe Stunde Mittagsschlaf. (Warum ich damit die Welt verbessere? Na, weil ich dann für meine Kinder stärkere Nerven habe, diese nicht anbrülle und die dann wiederum ebenfalls zufrieden sind und keine Streitereien anzetteln ...)

Gut, ich höre an dieser Stelle auf. Denn eigentlich habe ich genug damit zu tun, um mit mir selbst in Frieden zu leben. Vielleicht werde ich hierzu mal ein Seminar besuchen ...
... nachdem ich die Welt gerettet habe!


Literatur:
5o Dinge , die du tun sollst, wenn ich tot bin (ein Liebesroman, der irgendwie meine Gedanken aufgreift und weitere Punkte hinzufügt)

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Das Leiden der Künstler

LeidenderKuenstlerweb

Muss ein Künstler, ob nun Poet oder Maler oder Musiker oder Künstler jeglicher Art, wirklich traurig, depressiv und zerstörerisch sein, um wahre Kunst zu erschaffen?
Irgendetwas in mir antwortet mit einem deutlichen NEIN. Dennoch folgte auch ich dieser Voraussetzung. Im größten Liebeskummer konnte ich die besten Kurzgeschichten und Gedichte verfassen. Es musste heraus, wie der Eiter aus einer Wunde.
Eine ehemalige Schulfreundin war gestern in meinem Buchladen. Wir plauderten über alte Zeiten. In der Schulzeit konnte sie fantastisch zeichnen und eigentlich war sie die geborene Künstlerin. Als Erstes hielt sie die Aufnahmeprüfung von der Kunstakademie fern. Sie wollte keine Absage und hatte sich deshalb gar nicht erst beworben. Um die Enttäuschung zu meiden. Also studierte sie Kunstgeschichte. Nach diesem Studium hatte sie den Mut, sich an der Kunstakademie zu bewerben, und wurde selbstverständlich aufgenommen. Nur wurde aus ihr keine Künstlerin, sondern eine wirklich begnadete Restauratorin. Doch warum?
Sie erklärte, sie wolle glücklich leben und habe das Leiden satt. Natürlich spielte auch der finanzielle Part eine Rolle – so kam sie überhaupt zur Restauration. Sie könnte ja nebenbei malen ...
Sie sei nur in ihrem größten Kummer kreativ. Wir tranken gemütlich einen Kaffee und verabschiedeten uns, bevor sich wieder jede seinem Leben zuwandte.
In meinem Kopf blieb die Frage zurück: Muss ein Künstler wirklich leiden, um kreativ zu sein und tiefgründige Kunst zu erschaffen?
Irgendwie erinnerte mich dieser Gedanke an mein Deutschabitur. Dort war das Thema der Erörterung: Haben literarisch wertvolle Romane immer ein trauriges (schlechtes) Ende und sind Bücher mit Happy End automatisch Schundromane, jenseits der Realität?
Die Buchhändlerin in mir brüllt: NEIN! Es gibt wundervolle Romane, die irgendwie gut enden. Vielleicht nicht für jeden Protagonisten, aber sie lassen uns insgesamt zufrieden zurück. Der Teufel auf meiner Schulter feixt: Nur Schwachköpfe glauben an Happy Ends.
Gut, dazu werde ich nun meine Kunden befragen. Eine spannende Idee. Was ist Ihr Lieblingsbuch und hat es ein Happy End? Wenn ja, war es tiefgründig oder hat das Happy End den ganzen Roman verdorben?
Dies wäre ein wundervolles Thema in einem Literatursalon ... mal sehen, ob ich hierfür nicht ein paar meiner Stammkunden für einen gemütlichen, anregenden Abend gewinnen kann.
Und hiermit feierlich geboren: DER LITERATURSALON in meinem kleinen Laden.

Literatur zur Recherche:
1001 Bücher – die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist. Hg. Peter Boxall
Big Magic ‒ Elizabeth Gilbert

 

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Der Teufel in mir

Blitzer006 web

Gestern kam er zum Vorschein. Ich wusste, er lauert mir auf. Dieser kleine Teufel, der sich halb kaputt lacht über mein neues Image als brave Buchhändlerin, saß auf meiner Schulter und kommentierte mein Leben. So auch bei jener Autofahrt:
Wir waren auf dem Rückweg der üblichen Besorgungen, die Mütter erledigen dürfen. Turnschuhe neu anschaffen, da Kinder ständig überall hinauswachsen; Schulhefte; Lebensmitteleinkäufe und Badeanzüge. Ich hasse diese Art von Einkäufen und nun muss ich hierfür einen freien Nachmittag einplanen und eine Mitarbeiterin bezahlen, die mich in der Buchhandlung vertritt.
Natürlich wollte mein Sohn – die Pubertät lässt grüßen – keine „normalen“ Turnschuhe. Nein: ein Nike Air musste her, der fünfte in seiner Sammlung. Ähnlich verlief es bei den Zwillingen, die sich mit ihren neun Jahren in rosa gewandete Dickköpfe verwandelt haben. Der Entscheidungsprozess bei der Auswahl von drei rosa Bikinis oder doch lieber einem gestreiften Badeanzug zog sich kaugummiartig in die Länge. Sie wollten unbedingt den gleichen tragen, jeder hatte jedoch einen anderen Favoriten. Ich hatte mir während der Schwangerschaft geschworen, dass meine Zwillinge niemals gleich angezogen werden. Nun musste ich erkennen, dass Mütter eben meist recht wenig zu sagen haben, wenn es um die Kleidung ihrer Kinder geht. Vor allem bei Mädchen. Meinem Sohn legte ich selbst als Zehnjährigem noch alles auf sein Bett und er zog brav an, was Mama ausgesucht hatte. Im Zeltlager kam er sogar in einer Woche mit nur einem Outfit aus. (Die ungetragene Wäsche musste ich natürlich trotzdem waschen, da alles nach Zelt muffelte.)
Nicht so die Zwillinge. Endlose Diskussionen jeden Morgen und unzählige Kleider täglich.

Vom Einkauf genervt, war ich auf der Rückfahrt nicht gerade entspannt. Verstrickt mit meinem Sohn in eine Diskussion, wohin ich ihn und seine Freunde fahren solle, mit zwei kreischenden Mädchen auf der Rückbank, von denen eine zum Gitarrenunterricht musste und die andere in den Reitstall wollte, verlor ich die Nerven und schrie: „Und was ist mit mir? Denkt ihr, ich habe Lust, an meinem freien Nachmittag nur durch die Gegend zu fahren? Alles Geld, das ich verdient habe, für Turnschuhe auszugeben, und ...“ Dann blitzte es hell. IM ORT – kurz vor dem Ortsschild. Und da flüsterte der Teufel: „Ha, ha. Bald musst du nirgends mehr hinfahren. Bald können sie laufen.“ Ich hingegen sagte laut: „So, jetzt seid ihr schuld, dass ich durch diese Scheißblitzanlage gerauscht bin. Bald fahre ich nirgendwo mehr hin.“ Wohingegen mein Großer bereits in seinem Handy googelte. „ Nein Mama, dafür warst du zu langsam. Allerdings, wenn sie dich in nächster Zeit noch einmal blitzen, dann ist er weg – der Lappen.“ Beleidigt fuhr ich nach Hause.
Immer wieder tauchte das Teufelchen auf und sagte: „Vier Wochen kein Fahrdienst und alle werden dich bedauern. Dann hast du endlich viel Zeit. Überleg mal, wie oft du diese Plagen durch die Gegend kutschierst.“
„Teufel, halt’s Maul, das sind meine Kinder, keine Plagen.“
„Ach Lucy, dich nervt das Fahren. Gib es zu!“
„Jaaaa. Es wäre schon verlockend. Aber ...“
„Ich wusste es. Du bist jetzt eine biedere Buchhändlerin, die nichts mehr wagt ... überleg doch, welche Chance. Die Leute haben eine vorgefasste Meinung, keiner kommt auf die Idee, dass du freiwillig durch eine Blitzanlage bretterst. Freie Stunden, gemütliche Fahrten mit dem Fahrrad. Keine Großeinkäufe. Das alles muss dann dein Mann übernehmen ...“

Heute bin ich alleine ‒ auf der gleichen Strecke. Die Badeanzüge umtauschen. Mein Herz schlägt laut, als ich mich der Blitzanlage nähere.
Der Teufel feixt: „Feigling! Lebe deine Träume und stell dir deine eigenen Regeln auf.“
„Ruhe. Ich weiß ...“ Und plötzlich, wie beim Sprung vom Dreier, gebe ich Gas. Beschleunige auf 70 km/h. Das müsste in der Ortschaft reichen. Meine Ohren rauschen, mein Hals pocht. Es blitzt und ich bremse. Stark. Komme fast zum Stillstand. Meine Knie zittern. Nun kann ich es nicht mehr rückgängig machen. Triumph und Gewissensbisse wechseln sich ab.

Manche haben gar kein Auto, also werden wir es auch vier Wochen aushalten! Ich werde die freie Zeit nutzen. Durch das Fahrradfahren werde ich topfit und gertenschlank werden. Ich drehe das Radio laut auf und singe mit: WE ARE THE CHAMPIONS – WE ARE THE ...


Literatur, die zum Thema passt:
- Mama, chill mal! Felicitas Römer; Verlag Patmos
- Im Reich der Pubertiere. Jan Weiler; Kindler

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Und plötzlich war ich ein guter Mensch...

guterMensch007 webDas erste Mal fiel es mir bei den Pressegesprächen auf. Die Journalisten, mit denen ich in meinem alten Job immer wieder zu tun gehabt hatte, waren bei den zwei Interviews der Lokalzeitungen äußerst höflich und sprachen mir ihre Bewunderung aus. Für meinen Mut. Gut, es ist schon ein gewaltiger Schritt, der Schritt in die Selbstständigkeit, aber den machen doch viele, oder?
Einen Buchladen in diesen Zeiten zu eröffnen, hat wohl etwas von einem Selbstmordkommando oder mit einer Art Martyrium zu tun. Hinzu kommt, dass Buchhändlerinnen schlicht und einfach einen guten Ruf haben.
Und plötzlich veränderte sich mein Image komplett: Von der verachtungswürdigen Werbetexterin (die nur danach trachtet, allen ihren Schreibkram zu verkaufen, unschuldige Kinder zum Konsum verführt und als Karriereweib überdies Kind und Mann vernachlässigt) zur Jeanne d’Arc der Kultur.
Diese Erfahrung machte ich bei einem Elterngespräch in der Schule, beim Small Talk während eines Geburtstages, wo ich mich einmal als Buchhändlerin und dann, in einer anderen Gruppe, als Werbetexterin vorstellte ‒ sowie auch bei sämtlichen neuen Bekanntschaften, die ich in der letzten Zeit gemacht hatte. Die Blicke und Kommentare verrieten alles.
Am allermeisten verblüffte mich wieder einmal meine eigene Naivität. Ich hatte tatsächlich gedacht, die Menschen würden mich unvoreingenommen wahrnehmen. Ich selbst frage nie jemanden nach seinem Beruf und fand diese Frage schon immer unangenehm, wenn sie mir gestellt wurde. Das Verhalten neuer Bekanntschaften änderte sich (fast) immer, sobald sie den Beruf kannten. Je nachdem, was sie von der Branche hielten und wie ihre Einstellung zum Leben war.
Wahrscheinlich bin ich im Studentenstatus hängen geblieben. Wobei das Schubladendenken auch dort die Vorherrschaft übernommen hatte:
Sozialpädagoge (fettige Haare, keinen Sinn für Mode), BWL (Perlenkette), Jura (Barbour-Jacke) und so weiter.
Nun denken alle, ich wäre eine „Gute“. Verdammt! Wer möchte das schon sein? Ein Vamp, ja – das heißt, auch nicht immer. Fies, na ja.
Ich möchte in gar keine Schublade. Dort ist es mir zu eng. „Gut sein“ ist weder sexy noch aufregend. Und dennoch: Der Buchladen ist mein Ding! Allerdings hat er aus mir keinen besseren Menschen gemacht. Jedenfalls noch nicht ... vielleicht führt mich die Literatur ja eines Tages zur Erleuchtung.

Gestern war ich Werbetexterin – imagetechnisch ganz weit unten (sogar nach Ermessen des Versicherungsvertreters) ‒ und nun gehöre ich zu den „Guten“. Klar – gemeinhin gelten Werber/-innen als durchtrieben und profitgierig, wohingegen Buchhändler/-innen als weltfremd und sympathisch betrachtet bzw. empfunden werden und nur mit besten Absichten ausgestattet sind.

Ich bin beides, und wenn die Menschen in mir nun nur noch „die Gute“ sehen wollen, spüre ich, wie mein kleiner Teufel, der ab und zu seinem eigenen Willen folgt, in mir rebelliert. So richtig bemerkt habe ich ihn, als man mir die Absolution von allen eigennützigen Handlungen erteilte. Er schnüffelte um sich und dachte amüsiert: Diese dämlichen Menschen! Wenn die so banal unterteilen, dann ist das meine Chance, auf den Putz zu hauen. Diese merkwürdigen Kreaturen werden mir alles Mögliche ( und erst recht alles Unmögliche) gar nicht erst zutrauen. Mein Wille geschehe und keiner bemerkt es.
Dieser Erkenntnisfunke, wie das Leben womöglich auch funktionieren könnte, lässt das Teufelchen vergnügt auf und ab hüpfen. Voller Vorfreude reibt es sich die Hände, um bei der nächsten passenden Gelegenheit „Feuer zu fangen“.

Also, bleibt abzuwarten was meinem Teufelchen noch so alles einfällt…

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Es geht ja doch ... buch-stäblich!

Buch laden005

Die „Wende“ kam bei einem Friseurbesuch. Dort – als zum wiederholten Male versucht wurde, meine silbergraue Strähne zu übertünchen – hörte ich von dem kleinen Hutladen, der zu vermieten war. Er stand schon Jahre leer und nun hatte ihn die Nichte geerbt. Sie war bereit, ihn zu renovieren und zu vermieten. Ich erinnerte mich an die alten Holzregale, die hohe altmodische Theke und die zahlreichen ovalen Spiegel. Oh je, hoffentlich würde sie nicht alles rausreißen. Welch wunderbare Vintage-Ecke! In Städten unbezahlbar und der absolute Trend. Der Figaro meinte, die Nichte käme in einer halben Stunde. Manchmal passt einfach alles. Wir sprachen miteinander und ich erzählte ihr von meinem Traum, einem Buchladen inklusive Café und kleinen Leckereien, die man zusätzlich zu einem Buch würde erwerben können. Sie gab mir ihre Karte und wir vereinbarten eine Besichtigung der Ladenflächen. Wenn ich selbst renovierte (da würde mein Schwager ranmüssen, als Wiedergutmachung für die gelesenen Tagebücher), würde sie mir die ersten zwei Jahre eine supergünstige Miete zusichern. Seitdem spürte ich die Erregung in jeder meiner Zellen. Nach einer Familienkonferenz und dem Gespräch mit der Vertreterin eines Großhandels für Bücher sah es nun so aus, als würde sich ein Puzzleteil ins nächste einfügen. Finanzierungspläne, Mitarbeitersuche (ich kann ja nur vormittags arbeiten, nachmittags kommen die Kinder, die Kaninchen und der Haushalt an die Reihe) und Renovierung nahmen mich voll in Anspruch. Obwohl ich kräftemäßig am Limit war und nachts oft nicht schlafen konnte, vor lauter Sorgen, ob bis zur Eröffnung auch wirklich alles fertig würde, sitze ich nun in meinem eigenen Traum und warte auf Kunden. Keiner sagte mir, dass man hierfür schon etwas Geduld benötigt. Wobei, genügend Lesestoff habe ich ja-glücklicherweise! Ich liebe es, an den Büchern zu riechen und morgens die Bestellungen auszupacken. So viel Inspirationen! Bislang vermisse ich die Werbung nicht. Meine Kunden sind begeistert, dass es in unserem kleinen Städtchen wieder einen Buchladen gibt, auch wenn die Kasse noch nicht allzu freudig klingelt, dennoch: Ich habe viele lächelnde Kunden! Außerdem wird es demnächst einen Lesenachmittag geben, sonntags zu Kaffee, Kuchen und Lyrik. Meine zwei Aushilfen für die drei Nachmittage sind ganz reizende Buchhändlerinnen, die sich bereits in Rente befinden und nun froh sind, der Langeweile des Alters zu entfliehen. Wir sehen uns meist kurz mittags, bevor ich nach Hause hetze, und abends, um die Kasse zu machen und die Erträge zur Bank zu bringen. Klar ist, ich werde wohl Hilfe von meinen Kollegen aus der Werbebranche brauchen. So richtig bekannt ist meine kleine Buchboutique nämlich noch nicht. Also, Freunde der Werbung – ran an das Buch und die besten Werbeideen her zu mir.

Lektüre, die meinen Traum in mir weckte:

- Aus Liebe zum Buch Ann Patchett

- Lesen und lesen lassen: Geschichten und Gedichte für Buchliebhaber Nikolaus Heidelbach und Daniel Kampa (Hgs.)

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Philosophie und was ist der Sinn?

Philosoph lucy002

Philosophie und was ist der Sinn?

Wie soll ich nur leben? Keiner hat dies eindrucksvoller erörtert als Michel de Montaigne, auch wenn seine Aufzeichnungen schon Jahrhunderte zurückliegen.
Ich holte sein Buch aus dem Bücherregal, als ich mich in einer Psychoübung festgedacht hatte. Solche Tests scheinen mich magisch anzuziehen. Den Sinn meines Lebens würde ich erkennen, wenn ich mir meinen Tod vorstelle.
Demokrit, ein Zeitgenosse von Sokrates, hatte so etwas Ähnliches gesagt: Denke an deinen Tod und nimm nur diejenigen Mühsale auf dich, die notwendig sind. (Zitat aus Philosophie to go, Autor Albert Kritzler, S. 221.)
Also gehe ich zu dem Punkt in meinem Leben, der auf alle Fälle eintreten wird: der TOD. Selbst Jesus konnte ihm nicht unmittelbar entgehen. Wahrscheinlich werde ich so tatsächlich herausfinden, was ich vom Leben möchte und welche Mühsal nun mal dazugehört und welche zu vermeiden wäre.

MEIN LETZTER TAG – und dann: DIE REDE ZU MEINER EIGENEN BEERDIGUNG

Sie liebte Bücher. Sie liebte das Schreiben und sie liebte ihren kleinen Buchladen, in dem sich Menschen trafen, um miteinander zu reden ‒ das heißt, um tatsächlich miteinander zu reden, nicht bloß zueinander ‒, miteinander zu diskutieren und sich gegenseitig an ihren kostbaren Schätzen teilhaben zu lassen.

Sie hat ihren Traum gelebt.

Lebe ich momentan meinen Traum? Irgendwie hatten mich der Alltag, die Kinder und die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, weit von meinen Träumen entfernt.
Klar – dem Buchhandel ging es schon besser. Und trotzdem ‒ es geht doch nichts über eine warme Tasse Tee, einen aromatischen Milchkaffee oder über ein fesselndes Buch. Ich bin ein Freak. Meine Töchter sagen: „Mama, du bist süchtig nach Büchern!“ Wenn ich lese, vergesse ich die Welt um mich herum. Tauche ein in das Leben der Protagonistinnen und Protagonisten oder in die Köpfe von Hexen, Amazonen oder Philosophen.
Ich fresse Buchstaben. Meine Gier nach guten Geschichten und neuen Erkenntnissen ist unersättlich.
Außer die Bildzeitung, die meide ich. Warum? Na, wegen Böll und Wallraff.
Was schreibt ER nun – der Philosoph Montaigne?
„Habe ein Hinterzimmer in deinem Geschäft.“ Diesen Gedanken äußert er in seinem „Essai“ über die Einsamkeit.
Was er damit meint: Ruhe zum Nachdenken. Ruhe zum Zwiegespräch. Ruhe, um kreativ zu arbeiten.

Leider besitze ich noch kein Geschäft und wahrscheinlich ist der unsinnigste Grund, sich selbstständig zu machen, ein Hinterzimmer zu besitzen! Doch der Gedanke, einmal gedacht, lässt mich nicht mehr los. Was für ein Traum! Ein eigenes Zimmer und ein Geschäft voller Bücher, voller Geheimnisse und Geschichten, über das Leben und über die Liebe, über Menschen und über Unmenschen Die Welt in meinem kleinen Laden. Tagträume, die immer mehr Raum einnehmen.
Also, wie soll ich leben?
Je ne regrette rien. – Bedauert wird nur, was wir nicht getan haben. Deshalb: Nur Mut, liebe Lucy!

Mit neu gefasstem Mut muss ich feststellen, dass meine Grabrede mehr als banal, ja geradezu langweilig klingt! Gut, Papier ist geduldig. Ich versuche es erneut, dieses Mal dem Vorsatz folgend: Ich bedauere nichts!

Ihr Leben war spannend wie ein Krimi. Trotz Widrigkeiten des Lebens folgte Lucy ihrer Vision – bekämpfte Ungeheuer, traf Elfen und hatte einen eigenen Kobold.
Sie entdeckte in sich den Teufel und war dennoch ein Segen. Ihre verrückten Ideen erhellten unseren Alltag. Sie werden noch lange nach ihrem Tode in unseren Köpfen herumspuken und uns ein Kichern bescheren.

Ein hoher Anspruch! Er gefällt mir – auf geht’s, du kleiner Teufel, höre auf zu philosophieren und stürze dich in das Abenteuer!


Bücher:
Philosophie to go
Albert Kritzler
Wie soll ich leben?
Sarah Bakewell

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3 Diäten boykottieren die Freundschaft

3 Diäten boykottieren die Freundschaft

3 Diäten boykottieren die Freundschaft

Wir waren zum Frühstück verabredet. Dringend wollte ich meiner Freundin von dem durchgevögelten Metzger erzählen und von meiner Einsicht, dass ich in der Agentur niemals alt werden würde. Genau einen Tag vor unserem Treffen kam die SMS: Bin auf Diät. Trinke nur Tee, aber du kannst ja frühstücken.
Wie soll frau da in Ruhe frühstücken?! Es gibt immer ein Kilo zu viel. Jedenfalls bei mir – seit der Geburt meiner Kinder, aber im Vertrauen eigentlich schon seit ich 14 Jahre bin.

Klar, ich verhalte mich im Vergleich zu meinen Freundinnen in Bezug auf mein Diätverhalten meist antizyklisch. Während alle im Frühjahr mit Diäten beginnen, macht mich eher der Winter schlank und die Nudeln des Sommers dick. Weshalb ich seit Jahren alle Urlaubsbilder von mir zensiere. Ich lauf dort wie ein Wal herum, der Bauch hängt über die Bikinihose und in einem Akt der Selbstverleumdung genieße ich den Urlaub, um zu Hause erschreckt festzustellen: Oh Gott, wie bin ich denn rumgelaufen! Genau so wie zig andere, die ich mit hässlichen Etiketten beklebte. Zum Beispiel: „Du hast deine besten Zeiten auch hinter dir!“ „Ganz schön dicker Arsch!“ ... Ich gelobe das Lästern nächstes Jahr zu lassen. Immer! Na ja, der Zeitpunkt meines Vorhabens ist noch weit entfernt. Und so hatte ich passend zu jener SMS gleich in der darauffolgenden Nacht diesen Traum:
Ein Freund sagte darin zu mir: „He! Zieh mal deinen Speckmantel aus. Den braucht ja wirklich keiner.“ Peinlich berührt blickte ich mich an und zog ihn aus. Darunter war ich rank  und schlank . Wie mit 14. Erleichtert besuchte ich im Traum meine Waage, um die ich sonst monatelang einen Bogen mache, und siehe da, alles bestens!

Nun, das war jetzt nur ein Traum gewesen. Eine Mischung aus Alb- und Wunschtraum, doch er beschäftigte mich. So sehr, dass ich mich im Internet auf die Suche machte: Kann man mental abnehmen? Es erschien mir so viel einfacher und bequemer ...
Und siehe da: Robert Betz: Pfundig, pfundig .... Als Hörbuch erhältlich. (Doch um Amazon mache ich einen Bogen. ‒ Was hat Amazon mit meiner Waage gemeinsam ...?) Und die Buchhandlung vor Ort schloss gerade ihre Pforten, aber ich entdeckte einen Vortrag ganz in der Nähe. Also nix wie hin ‒ meine Freundin im Schlepptau!

Robert Betz – lustig und mit Wohlstandsbäuchlein versehen ‒ schildert uns den Müll – vorwiegend psychisch und emotional ‒, den wir einlagern. Dazu gibt es Meditationen. Der Vortrag war menschlich und Betz gesteht, selbst noch auf dem Weg zu sein – mit gelegentlichen Rückschlägen, wie wir sie alle kennen. Und genau das überzeugte mich!

Kurz und gut – es wird ein langer Weg. Auch hier gilt Disziplin. ABER lieber meditiere ich in meinem Bett, als hechelnd durch den Wald zu rennen. Keine Frage, ich liebe Waldspaziergänge, und damit meine ich langsames Gehen und Vor-sich-Hinträumen, nicht vor dem eigenen Schweinehund davonlaufen. Schweiß kontra Entspannung – das Konzept gefällt mir. Also gehe ich es langsam an. Wer weiß, vielleicht geht der Trend ja wieder weg von mageren Frauen hin zum Vamp, oder ich werde irgendwann so erleuchtet sein, dass es mir schlicht und einfach egal ist, ob sich Speckröllchen abzeichnen, der Bauch hinaushängt und meine Oberschenkel sich in eine Kraterlandschaft verwandeln. Sicher bin ich dann auch dieses Hungergefühl los, das sich bei mir stets in Stresssituationen einstellt. Denn ich bin ja rundum entspannt und erleuchtet.

Fazit: keine Diät – auf zur Erleuchtung. ;-)

(Fürs Protokoll)
Hab ich gelesen oder gehört: Robert Betz (bei buch-fan.de, garantiert Amazon(en)-frei.)

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