Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Das Ende der Idylle

Lucy13 schoeneZeit web

 

Vier Tage Glück ... bis mein Mann nach Hause kam. Er suchte sofort den Fernseher samt Fernbedienung. Also sagte ich (nicht ohne Stolz in der Stimme):
„Alles ist weg! Fernseher, XBox, Nintendo, Handys, Laptop. Wir waren nun vier Tage medienfrei. Manchmal liegt im Unglück eine große Chance ...“
Er ging überhaupt nicht auf meine philosophischen Anspielungen ein, sondern beschäftigte sich ausschließlich mit Fakten.
„Warst du bei der Polizei? Wie konnte das passieren?“
Er war geschockt, fuhr direkt zu Media Markt, um einen Fernseher zu kaufen, wollte alles der Versicherung melden und erstand in diesem Zuge gleich eine Alarmanlage von Apple.
Als die Kinder schliefen, beichtete ich ihm meine Aktion, um ihn von einem Polizeibesuch abzuhalten.
„Lucy, du solltest in psychische Behandlung“, meinte er trocken und schüttelte ungläubig den Kopf, als ich ihm von den tollen Tagen ohne Medien vorschwärmte:
„Stell dir vor: Wir haben Karten gespielt, Schokofondue gemacht und sind in der Nacht mit Fackeln gewandert – ohne Handy, ohne App, ohne dass einer lieber herumballerte ... Wir haben Sternschnuppen gezählt und uns gegenseitig vorgelesen. Es war himmlisch.“
„Du kannst die Zeit nicht zurückdrehen! Und wo waren die Kinder nachmittags?“
„Bei Freunden. Warum?“ Worauf wollte er hinaus?
„Was, denkst du, haben sie dort gemacht? Geglotzt und gezockt und gesnapt ...“
„Trotzdem! Abends war es schön. Wie früher irgendwie.“
„Hast du überhaupt daran gedacht, dass die Kinder nun vor Einbrechern Angst haben? Dass du die Realität verbiegst, wie es dir gerade passt? Ich finde diese Aktion unverantwortlich.“
„Na ja. Die Kinder wünschen sich nun einen Hund. Mit dieser Idee könnte ich leben.“
„Du musst ihnen die Wahrheit sagen!“ Er zappte sich durch die Programme, stand dann auf und holte sich ein Glas Rotwein.

„Niemals. Ich kann ihnen alles zurückgeben und sagen, dass die Polizei erfolgreich war und dass Diebe nie weit kommen. Wir können uns einen Hund anschaffen.“ Ich versuchte verzweifelt, meine Haut und meine Autorität als Mutter zu retten.

„Lucy! Wie wäre es mit Erwachsenwerden?“ Er war unnachgiebig. „Ein Freund von mir hatte eine Praxis. Gesprächstherapie.“

„Kein Psychiater – ich traue diesen Typen nicht. Ein Seminar, das ich mir selbst auswähle. Das wäre ein Kompromiss.“ Mir saß die Angst im Nacken.Diese Typen verdrehten einem jedes Wort im Mund, wollten alles wissen und ich hatte überhaupt keine Lust, meine knapp bemessene Freizeit auf einer Couch zu sitzen oder zu liegen. NIEMALS!

„Ich bestehe darauf und nun lass uns auch eine fernsehfreie Nacht genießen, du kleines Teufelchen.“ Er drückte den Aus-Knopf des neuen Geräts, küsste meinen Hals und wir hatten eine leidenschaftliche Nacht wie schon lange nicht mehr. Trotzdem bestand er auf das Seminar ...

Gut, ich gab ihm recht: Der kleine Teufel bedurfte dringend der Führung und Kontrolle, ansonsten würde er mich noch um Kopf und Kragen und vor allem um meinen Mann bringen.

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Seminar oder: Die Eliminierung des kleinen Teufels
Der Einbruch