Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Herumliegende Socken und die Wahrheit

Socken17

Ich tigere durch die Wohnung und schimpfe vor mich hin. Pippi sitzt pfeifend im Wohnzimmer und schnitzt an einem imaginären Stock, der zum Glück keinen Dreck macht. Ich schupse sie unsanft zur Seite, um mir den Strumpf zu angeln auf dem sie es sich bequem gemacht hat.
„He! Welche Laus ist dir denn jetzt schon wieder über die Leber gelaufen?“ Wie auf Kommando lege ich sofort los: „Überall lässt er seine Socken rumliegen! Das bringt mich noch um den Verstand!“ Pippi schüttelt den Kopf. Trocken und nasebohrend meint sie: „Sie rumstehen zu lassen, wäre auch eine Kunst. Meinst du etwa, man kann Socken hinstellen?“ Dabei beißt sie auf ihrer Lippe und scheint tatsächlich zu überlegen. „Pippi!!! Das ist doch gar nicht der Punkt! Diese Unordnung hier! Keiner räumt auf. Alles ist mein Ressort“, fauche ich. „Also mich stört es nicht. Ich habe es gar nicht bemerkt“, sagt Pippi und schnitzt weiter. „Sie machen das mit Absicht. Ich könnte wetten. Überall lassen sie einfach alles stehen und liegen.“ „Wer?“, fragt Pippi erstaunt. „Mein Mann und die Kinder.“ „Ja und? Scheint ja niemanden außer dich zu stören“, antwortet Pippi. „Das ist es ja gerade, was mich so ärgert. Keiner interessiert sich fürs Aufräumen oder den Haushalt. Aber wehe sie suchen es. Dann schreit jeder MAAAMMMMAAAA! Alles bleibt an mir hängen!“, schimpfe ich weiter. „Wieso?“ – „Was wieso?!“ – „Na, wieso ärgert es dich und wieso bleibt was an dir hängen? Bist du ein Sockenmagnet?“ Plötzlich sieht mich Pippi mit weit aufgerissenen, funkelnden Augen an. „Das wäre ja genial! Du läufst durch die Gegend und alle Socken bleiben an dir hängen. Stell dir das mal vor! Dann hättest du einen Sockenmantel. Irgendwann wären es so viele Socken – die du anderen Menschen von den Füßen ziehst –, dass du eine riesige Sockenlawine ins Rollen bringen würdest ... Deshalb laufen die Menschen in Taka-Tuka-Land lieber barfuß.“ Sie lacht und und ihr Lachen steckte mich an. Alleine die Vorstellung wie mir die Socken zufliegen, war irre komisch. Aber nur für einen Moment, dann kommt der Ärger mit voller Wucht zurück. „Ich verstehe nicht, warum er die Socken nicht in den Wäschesack tut!“, sage ich murrend „Vielleicht will er ja nicht, dass sie gewaschen werden“, antwortet Pippi pragmatisch. „Natürlich will er das. Sonst hat er ja irgendwann keine sauberen Socken mehr.“ „Woher willst du sicher wissen, dass es so ist? Das ist nur das, was dir im Kopf rumspukt. Außerdem stören sie ihn ja nicht, also lass sie doch einfach liegen“, ergänzt Pippi. Das kleine Monster namens Ärger wächst und wächst. Es wird übergroß, droht mich zu übermannen. „Aber mich stören sie!“ „Na, dann heb sie halt für dich auf. Dann brauchst du dich doch nicht zu ärgern, denn du machst ja nur, was du möchtest?! Also manchmal verstehe ich dich echt/wirklich nicht“, meint Pippi, die mittlerweile auf dem Wohnzimmertisch steht und wie ein Steuermann Ausschau hält. „Wenn ich was mach, was ich will, freu ich mich. Wenn ich etwas nicht machen möchte, mache ich es nicht. So einfach ist das.“ Sie schüttelt über so viel kompliziertes Gerede den Kopf und hüpft vom Tisch. „Seine Socken sind doch nicht dein Problem. Er braucht sie doch.“ Grinst sie, fröhlich vor sich hin pfeifend.
„Ich gehe jetzt duschen!“, sage ich ein wenig nachdenklich.

Unter der Dusche: Ich überlege mir, ob Pippi recht hat? Ich will, dass die Socken nicht auf dem Boden rumliegen. Allerdings glaube ich nicht, dass mein Mann sich nicht saubere Socken wünscht. Nur – Pippi hat recht –: Ich sollte nur die Socken waschen, die im Wäschekorb liegen.

Worüber ärgere ich mich? Warum ärgere mich? Was geht eigentlich in mir vor, wenn ich mich ärgere? Sind meine Gedanken wahr? Ist es wirklich so oder täusche ich mich? Täusche ich mich? Für wen räume ich die Socken weg?
Bei diesen Überlegungen fiel mir Byron Katies Buch beinahe auf den Kopf.

Und was war dort die große Frage?
Ist das wirklich wahr? Muss er die Socken aufräumen? Nein, er tut es nicht. Das ist die Wahrheit.
Und die Antwort:
Also stört es mich, dann muss ich sie wegräumen oder es einfach sein lassen ...

Die passenden Bücher:

Byron Katie, Stephan Mitchell; Lieben was ist

Liebenwasist

Byron Katie; The Work

Thework

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Nahkampfgebiet Schule
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