Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Seminar oder: Die Eliminierung des kleinen Teufels

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Zuallererst lernten wir zu entspannen. Einatmen – ausatmen – ich gähnte, als mich die Stimme des Seminarleiters aufschreckte: „Du bist zu tief. Konzentriere dich.“
Also blinzelte ich durch meine Wimpern und blickte direkt auf den dicken Bauch mir gegenüber, der sich rhythmisch hob und senkte. War er gemeint? Oder die Zigeunerin mit langen wehenden Haaren und dem bunten Rock, die so was von alternativ war, dass sie alleine durch das Schließen der Augen in Meditation verfiel. Oder gar ich? Er legte die Hand auf meine Schulter:
„Schließe die Augen. Einatmen und wieder ausatmen. Ich zähle nun bis fünf: 1 ... 2 ... 3 ... 4 ... 5. Du begegnest nun deinem inneren Führer. Es kann auch eine Frau oder ein Tier sein.

Gerade war ich noch mit dem Gedanken beschäftigt, dass wenn Frauen und Tiere auf einer Ebene stehen, wo waren dann die Männer?, als das Weiß vor meinem inneren Auge sich lichtete und es erschien:
Astrid Lindgren! Sie hat eine riesige Geschenkbox bei sich, die nun aufspringt und heraus hüpfen, wirbeln, fliegen: Pippi, Michel und die Kinder von Bullerbü, selbst Karlsson vom Dach steigt auf. Sozusagen die gesammelten Werke. Dann nickte sie mir zu und löst sich auf. Ich bezweifele, dass diese Schar mir wirklich helfen kann! Denn in meiner Welt wäre Pippi schon lange im Kinderheim oder bei einer Pflegefamilie – oder würde wenigstens regelmäßig zum Kinderpsychologen gehen, da sie ein Trauma hat – Mutter tot, Vater abgehauen, spielt sie sich nun als König von Mallorca auf (ein Haufen Kohle von einer Realityshow à la „Die Geissens“).
Pippi lacht. Völliger Blödsinn. Aber wahrscheinlich hätte sie einen eigenen YouTube-Kanal und würde regelmäßig die Kinder über Instagram motivieren, die Erwachsenen nicht ernst zu nehmen: denn DIE wissen nicht, was sie tun.
Aber sie jagen dem kleinen Teufel hinterher. Der rennt um sein Leben. Ich klatsche und freue mich. Dann haben sie ihn umzingelt, fesseln ihn mit einem langen Seil und sperren ihn ein.
Nun sitzt er wie Hänsel und Gretel in einem Käfig und feixt. Allerdings macht er es sich binnen Sekunden gemütlich und mampft Lebkuchen.


Die Meditation war beendet. Stuhlkreis des Seelenstriptease. Alle berichteten von ihren tollen inneren Führern. Von Jesus über Buddha bis hin zu Moses war alles dabei. Der Seminarleiter Dieter nickte jedes Mal bedeutungsvoll und lächelte. Bis ich an die Reihe kam – mit Astrid Lindgren und ihrer ganzen Mannschaft.
„Du bist zu kopflastig. Dein Leben als Buchhändlerin überschattet deine Seelenebene. Ich werde nachher in einer Hypnose zum Kerne deines Inneren vordringen und wir werden deinem wahren inneren Führer begegnen.“ Er sagte das so sanft, dass meine Härchen an den Armen aufstanden und ich Gänsehaut bekam. Wollte ich ihn in meinen inneren Kern lassen? Ich fand Pippi bei Weitem amüsanter als die heilige Muttergottes oder Jesus.
Dennoch wollte ich kein Spielverderber sein, zumal ich mich eh schon als ein Mensch ohne den rechten spirituellen Zugang fühlte.
Also ab zur Hypnose ...

 

Zur Inspiration:

Astrid Lingren; Das Beste von Astrid Lindgren

Astrid Lindgren; Ur-Pippi

 

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Hypnose - Seminar Teil 2
Das Ende der Idylle