Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Tagesstart mit Pippi oder was Langstrumpf und Schiller verbindet

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Pippi taucht auf und verschwindet nicht wieder ... Im Gegenteil: Ich sehe sie überall. Außer mir scheint sie jedoch keiner zu bemerken.

Nach dem Frühstück beobachtet mich die Langstrumpf beim meinem morgendlichen Kampf vor dem Kleiderschrank. Ich fluche. Hose zu eng. Bluse hat einen Flecken. Bei dem anderen Oberteil zeichnen sich meine kleinen Speckschwarten ab, die sich wann auch immer unbemerkt auf meine Hüfte gelegt haben und diesen gemütlichen Platz scheinbar nie mehr aufgeben werden. Während ich stöhnend Kleider rausziehe, an- und wieder ausziehe, probiert Pippi meine Hutkollektion aus. Irgendwann wird es ihr langweilig und sie beobachtet mich – natürlich mit Kommentar: „Warum machst du denn so ein Theater vor dem Kleiderschrank? Es scheint dir ja keine Freude zu bereiten, dich zu verkleiden oder was Schönes anzuziehen. Und nun hast du eine halbe Stunde benötigt, um einen dunkelblauen Rolli zu einer dunkelblauen Hose anzuziehen! Wie langweilig!“ Ich halte inne und betrachte Pippi. „Was soll ich denn deiner Meinung nach anziehen?“ „Na, etwas Besonderes, etwas, was dir Freude macht. Was den Tag leuchten lässt.“ Mit diesen Worten zerrt sie ein schickes orangefarbenes Cocktailkleid hervor, das ich noch nie getragen habe. Irgendwie war es immer zu auffällig Nie war der richtige Anlass. „Oh Pippi, dafür habe ich jetzt wirklich keine Zeit mehr und überhaupt ...“ – „… und überhaupt ist es nicht langweilig genug. Wie so vieles in deinem Leben. Du warst doch nicht immer soooo FARBLOS. Wann setzt du eigentlich die Hüte auf? Hab dich noch nie damit gesehen“, motzt Pippi weiter. Das Schlimmste: Sie hat leider recht! Wann habe ich eigentlich meinen früher eher modischen, extravaganten Kleidungsstil gegen einen langweiligen, praktischen Alltagslook getauscht?

Heute wäre ein guter Tag, um dies zu ändern! Also ziehe ich mich aus, das orange Cocktailkleid an, dazu Strumpfhose, Stiefel und Weste. Durchaus buchladentauglich. Etwas eng und nicht resistent gegen schmutzige Kinderfinger, aber bevor es nur im Schrank hängt und ich sterbe, ohne es jemals getragen zu haben ... Lieber gelebte Stunden und Flecken voller Erinnerungen, als den Moment zu verpassen. Pippi johlt vor Freude und wirft mit BHs durch die Gegend. Ich sehe sie streng an. Allerdings weicht dem augenblicklich ein Grinsen, als mir mein Spiegelbild entgegenblickt. Sie hat recht! Mein Tag beginnt nun fröhlich und einen Hauch verwegen. Als ich das Haus verlasse, spüre ich ein Kribbeln im Bauch. Ich gehe ja nicht jeden Tag so aufgebrezelt in die städtische Wildbahn. Doch die ersten Komplimente lassen nicht lange auf sich warten und damit erstrahle auch ich zu voller Blüte. Obwohl ich nicht tief einatmen kann, da das Kleid einfach keinen Platz mehr bietet. Das nehme ich einfach wie eine Lady hin. Das Mittagessen fällt dadurch ins Wasser. Eine völlig neue Art von Diät ...
Ich fühle mich plötzlich bohème ... irgendwie zurückversetzt in die guten alten Zeiten der Buchhandlungen. Deshalb begrüße ich meine Kunden heute mit Sekt, Tee und kleinen Keksen. Es wird ein besonderer Tag, der sicherlich vielen im Gedächtnis bleiben wird. Und die Welt irgendwie ein kleines bisschen erträglicher macht.

Um es literarisch auf den Punkt zu bringen:
„Der Einfall war kindisch, aber göttlich schön.“ Friedrich von Schiller

Weil er so recht hat – der Schiller –, dachte ich mir, es wäre mal wieder an der Zeit, die Weimarer Klassiker aufleben zu lassen. Sie gestatten: Schiller und Goethe gleich neben den gesammelten Werken von Astrid Lindgren.

 

Meine ausgewählten Schiller-Bücher:

Klassisch gut! Schiller-Zitate

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Schiller zum Vergnügen

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Kennst du Friedrich Schiller?

 

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