Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Wie Pippi verschwindet und Goethe auftaucht...

Goethe Roman web

Anscheinend kann ein geistiger Führer wechseln. Jedenfalls bei mir! Begonnen hat alles bei einer Diskussion im Literatursalon:
„Ich wette mit Ihnen, dass selbst Sie es schaffen, besser als dieser Coelho zu schreiben.“
Das war ein vernichtendes Urteil zum neuen Coelho – Weltbestseller wie immer und ebenfalls eine etwas abschätzige Beurteilung meines Schreibtalents. Also zwei Beleidigungen mit einer Klappe.
Um es gleich klarzustellen – „Der Alchimist“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Allein wegen dieses Buches war ich mit Beduinen in der Sahara wandern. Daher bin ich Paulo Coelho zu tiefem Dank verpflichtet. „Selbst SIE würden besser schreiben.“ Der Stachel saß tief. Als wäre es beinah unvorstellbar, dass ICH, die Buchhändlerin, einen guten Roman verfassen könnte.
Könnte ich einen Roman schreiben? War das als Kind – neben einem unversiegbaren Zugriff auf Bücher– nicht immer mein Traum gewesen?

Wie wird Frau zur Schriftstellerin und Autorin?

Die Buchhändlerin in mir erwachte und begann zu recherchieren:

Neben zahlreichen Schreibratgebern und Büchern zum kreativen Schreiben fiel mir beim Abstauben der Bücherregale ein Buch hinunter. Die Folie zerriss und die eingeknickte Ecke des Umschlags machte das Buch unverkäuflich. Ich fluchte. Remittieren war diesen Monat ausgeschlossen. Als ich mich bückte, sah ich ihn das erste Mal. Er lief auf dem Buchrücken auf und ab. Dieses kleine Männchen mit dem Zopf im Nacken und einem Frack, der vor einigen Jahrhunderten wahrscheinlich modisch der letzte Schrei war. Die Hände trug er hinter dem Rücken verschränkt. Mein Gesicht kam näher und da blickte ich in diese strahlend blauen Augen, die vor Freude funkelten.
„Ich bin dein Schreiblehrer!“
„Wer bist du? Pippi, hast du dich verkleidet?“
Mit dieser Frage schoss er in die Höhe und wuchs zu meiner Größe. Erschrocken blickte ich mich im Buchladen um. Keiner schien etwas zu bemerken, außer das kleine Kind in der Ecke auf dem Sitzsack. Dessen Mund stand weit offen. Der Weißzopf führte seinen Finger vor den Mund und flüsterte zu dem Kind: „Pssst. Du darfst mich nicht verraten.“ Wie hypnotisiert nickte es.
Dann wandte er sich zu mir und sprach: „ Madame, darf ich mich vorstellen: Johann Wolfgang von Goethe. Übrigens, das rosafarbene Kleid steht Ihnen exzellent. Die Zusammenarbeit wird ein Fest der Sinne und alleine unsere Fantasie kann erahnen, wohin uns diese Reise führen wird.“ Erstaunt wollte ich antworten, doch ich brachte keinen Ton heraus. Er lächelte amüsiert und zeigte mit einem Stock, der wie ein Wunder plötzlich in seiner Hand erschien, auf das Buch: „Nimm die Lektüre mit in deine Kammer. Sie ist, was du suchst.“ Kopfschüttelnd hob ich das Buch auf und erst jetzt bemerkte ich, dass ich „Die unendlichen Geschichte“ in Händen hielt. Ich kassierte die letzten Kunden und natürlich nahm ich das angeschlagene Buch mit. Vor so vielen Jahren hatte ich es gelesen, doch als Schreibratgeber war sie mir nicht in Erinnerung. Ich erinnerte mich an Fuchur und die Bavaria-Filmstudios und meinen damaligen Wunsch, Schauspielerin zu werden, um dann auf Drachen durch Filme fliegen zu können.

Abends, als mein Mann vor dem Fernseher einparkte und die Kinder schliefen, öffnete ich das Buch ... und tauchte ein in die Welt Fantasias. Ich las und las – erstaunt, welche Weisheit dieses Buch besitzt, und tatsächlich verriet es mir eine Menge über Geschichten und Helden und warum Geschichten Helden so dringend benötigen.

Ein Buch, das es sich öfter zu lesen lohnt:

Die unendliche Geschichte von Michael Ende.

dieunendlicheGeschichte

Und ein paar Schreibratgeber, die ich mir dennoch gekauft habe:

Duden Ortheil1
-    Dudenedition über das Schreiben

RomanineinemJahr
-    Doughty,Louise: Ein Roman in einem Jahr

ueberdasSchreiben
- Stein, Sol: Über das Schreiben

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