Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

3 Diäten boykottieren die Freundschaft

3 Diäten boykottieren die Freundschaft

3 Diäten boykottieren die Freundschaft

Wir waren zum Frühstück verabredet. Dringend wollte ich meiner Freundin von dem durchgevögelten Metzger erzählen und von meiner Einsicht, dass ich in der Agentur niemals alt werden würde. Genau einen Tag vor unserem Treffen kam die SMS: Bin auf Diät. Trinke nur Tee, aber du kannst ja frühstücken.
Wie soll frau da in Ruhe frühstücken?! Es gibt immer ein Kilo zu viel. Jedenfalls bei mir – seit der Geburt meiner Kinder, aber im Vertrauen eigentlich schon seit ich 14 Jahre bin.

Klar, ich verhalte mich im Vergleich zu meinen Freundinnen in Bezug auf mein Diätverhalten meist antizyklisch. Während alle im Frühjahr mit Diäten beginnen, macht mich eher der Winter schlank und die Nudeln des Sommers dick. Weshalb ich seit Jahren alle Urlaubsbilder von mir zensiere. Ich lauf dort wie ein Wal herum, der Bauch hängt über die Bikinihose und in einem Akt der Selbstverleumdung genieße ich den Urlaub, um zu Hause erschreckt festzustellen: Oh Gott, wie bin ich denn rumgelaufen! Genau so wie zig andere, die ich mit hässlichen Etiketten beklebte. Zum Beispiel: „Du hast deine besten Zeiten auch hinter dir!“ „Ganz schön dicker Arsch!“ ... Ich gelobe das Lästern nächstes Jahr zu lassen. Immer! Na ja, der Zeitpunkt meines Vorhabens ist noch weit entfernt. Und so hatte ich passend zu jener SMS gleich in der darauffolgenden Nacht diesen Traum:
Ein Freund sagte darin zu mir: „He! Zieh mal deinen Speckmantel aus. Den braucht ja wirklich keiner.“ Peinlich berührt blickte ich mich an und zog ihn aus. Darunter war ich rank  und schlank . Wie mit 14. Erleichtert besuchte ich im Traum meine Waage, um die ich sonst monatelang einen Bogen mache, und siehe da, alles bestens!

Nun, das war jetzt nur ein Traum gewesen. Eine Mischung aus Alb- und Wunschtraum, doch er beschäftigte mich. So sehr, dass ich mich im Internet auf die Suche machte: Kann man mental abnehmen? Es erschien mir so viel einfacher und bequemer ...
Und siehe da: Robert Betz: Pfundig, pfundig .... Als Hörbuch erhältlich. (Doch um Amazon mache ich einen Bogen. ‒ Was hat Amazon mit meiner Waage gemeinsam ...?) Und die Buchhandlung vor Ort schloss gerade ihre Pforten, aber ich entdeckte einen Vortrag ganz in der Nähe. Also nix wie hin ‒ meine Freundin im Schlepptau!

Robert Betz – lustig und mit Wohlstandsbäuchlein versehen ‒ schildert uns den Müll – vorwiegend psychisch und emotional ‒, den wir einlagern. Dazu gibt es Meditationen. Der Vortrag war menschlich und Betz gesteht, selbst noch auf dem Weg zu sein – mit gelegentlichen Rückschlägen, wie wir sie alle kennen. Und genau das überzeugte mich!

Kurz und gut – es wird ein langer Weg. Auch hier gilt Disziplin. ABER lieber meditiere ich in meinem Bett, als hechelnd durch den Wald zu rennen. Keine Frage, ich liebe Waldspaziergänge, und damit meine ich langsames Gehen und Vor-sich-Hinträumen, nicht vor dem eigenen Schweinehund davonlaufen. Schweiß kontra Entspannung – das Konzept gefällt mir. Also gehe ich es langsam an. Wer weiß, vielleicht geht der Trend ja wieder weg von mageren Frauen hin zum Vamp, oder ich werde irgendwann so erleuchtet sein, dass es mir schlicht und einfach egal ist, ob sich Speckröllchen abzeichnen, der Bauch hinaushängt und meine Oberschenkel sich in eine Kraterlandschaft verwandeln. Sicher bin ich dann auch dieses Hungergefühl los, das sich bei mir stets in Stresssituationen einstellt. Denn ich bin ja rundum entspannt und erleuchtet.

Fazit: keine Diät – auf zur Erleuchtung. ;-)

(Fürs Protokoll)
Hab ich gelesen oder gehört: Robert Betz (bei buch-fan.de, garantiert Amazon(en)-frei.)

Philosophie und was ist der Sinn?
Der Metzger oder chronisch untervögelt