Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Auf Reisen...

LucySrilanka web

Ich bin Autor. Jedenfalls in meinem Herzen. Das große Publikum gilt es noch zu begeistern. Na ja und ebenso einen Literaturagenten oder einen Verlag. ABER – es steht meine erste Recherchereise an. Praktischerweise habe ich diese mit dem Familienurlaub zusammengelegt.

Sri Lanka.

Denn meine Protagonistin (Hauptperson) reist mit ihrer spirituell durchgeknallten Freundin nach Sri Lanka. Im Anschluss an eine Indienreise möchten sich die Freundinnen erholen. Bei mir läuft es jetzt eben umgekehrt. Ich reise zuerst nach Sri Lanka und dann nach Indien.

Indien allerdings ohne meine Kinder.

Also Strandurlaub mit Recherche und fünf Tage haben wir einen Fahrer, der uns auf der Insel herumkutschiert.

Nach der Ankunft und einem ungenießbaren Drink in der Hotellobby, belagert uns sofort der Reiseveranstalter des Hotels. Mehr als ein Gähnen und Tomorrow kann er uns nicht abgewinnen. Dafür ist das Ehepaar aus Leipzig sehr angetan. Die Beiden sind schon zum achten Mal hier und nun wollen sie es endlich wagen und ein wenig Sightseeing erleben. Mich irritiert der riesige goldene Elefant, Welcher dem Sachse am Hals baumelt. Bestimmt hat er davon Nackenschmerzen. Wir fliehen ins Zimmer und dann an den Strand. Völlig erschöpft falle ich in einen Tiefschlaf und erwache durch mein eigenes Schnarchen, welches das Tosen des Meeres übertönt. Die Kinder sind im Zimmer – dort gibt es W-Lan. Hallo – 24 Stunden ohne Verbindung zur digitalen Welt sorgen für Entzugserscheinungen.

Mein Mann ist bereits in Abenteuerlaune und bucht uns eine Ayurvedische Massage. Traditionell.

Also fahren wir mit einem Töftöf – diese dreiräderigen Motorräder in denen 1001 Götter-Amuletts baumeln, mit rasantem Tempo durch den Abendverkehr. Bunte Lichter blinken, eine Neonfarben angestrahlte Grippe mit einen dunkelhäutigem Jesus, der Maria und einem Ochsen. Josef scheint eine Pinkelpause zu machen oder sich sonst wo versteckt zu haben.  Denn er glänzt durch Abwesenheit. Irgendwie erinnert mich das an zu Hause. Im Chaos ist Frau immer alleine. An einem Hinterhof stoppt das Pseudotaxi schwungvoll- wir fallen praktisch vor die Tür, der bekannten ayurvedischen Ärztin. Laut unserem Reiseleiter ist sie unschlagbar.

Wir schlendern zögernd durch einen Innenhof – dort wird wohl Yoga praktiziert. Das deuten jedenfalls die übereinander geworfenen Matten an. Bei uns würde das nicht einmal als Raucherhof durchgehen. Aber andere Sitten, andere Umstände. Ich versuche mich zu öffnen für alles was ist und bekomme direkt von der Ärztin, die mindestens doppelt zu viel wiegt wie ich erklärt, dass wir Deutsche zu faul sind. Nachdem ich sie verständnislos anstarre, erhalte ich die Erklärung: „Bei uns ist es soooo heiß, wir können praktisch kein Yoga machen. Aber in Deutschland ist es kalt, da kann man jeden Tag Yoga praktizieren. “ Ich lasse das mal unkommentiert. Selbstschutz, schließlich wird mich die Frau noch massieren. Aber weit gefehlt. Sie schickt ihre Assistentinnen. Mein Mann und ich liegen auf zwei Liegen nebeneinander. Der Ventilator summt, ich trage nichts außer meiner Unterhose. Ich möchte mal sagen, die Massage ist ok, aber nicht weltbewegend und schon gar nicht erleuchtend. Da hatte ich in Deutschland bei weitem bessere. Aber sie waren bemüht. Dann werden wir in den Hof geführt. Ich komme mir so oben ohne ziemlich nackt vor. Mit einer Handbewegung wird uns erklärt, dass wir auf die Betonausbucht liegen sollen. Und dann kommt das Wasser. Selbst im schummrigen Licht sehe ich wie schmutzig es ist. Mit Eimern schütten die zwei jungen Frauen es über uns. Fest presse ich meine Lippen aufeinander und bete, dass nicht davon in mein Inneres gelangt.  Meine Unterhose ist pitschnass. Wir ziehen uns an.

Die Unterhosen stecken wir in meinen kleinen Rucksack. Mein Mann hat seine Shorts drüber, ich mein Kleid.  Nur mein Kleid ohne etwas darunter. Ich komme mir so was von verwegen vor. Und dann wird die Massage doch noch ein Erfolg. Wir kichern, während wir Hand in Hand zurückgehen und sind so ausgelassen, dass wir bereits am ersten Urlaubstag übereinander herfallen, als wären wir frisch verliebt. Himmlisch so eine ayurvedische Massage.

Teil 2 folgt... der Zahn des Buddhas....

 

Lesestoff zum Thema:

Alsschisserumdiewelt

 

Als Schisser um die Welt; Jan Kowalsky

AnilsGeist

Anils Geist; Michael Ondaatje

Was ist los mit Lucy Schreck?
Lucy feat. GG