Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Das Leiden der Künstler

LeidenderKuenstlerweb

Muss ein Künstler, ob nun Poet oder Maler oder Musiker oder Künstler jeglicher Art, wirklich traurig, depressiv und zerstörerisch sein, um wahre Kunst zu erschaffen?
Irgendetwas in mir antwortet mit einem deutlichen NEIN. Dennoch folgte auch ich dieser Voraussetzung. Im größten Liebeskummer konnte ich die besten Kurzgeschichten und Gedichte verfassen. Es musste heraus, wie der Eiter aus einer Wunde.
Eine ehemalige Schulfreundin war gestern in meinem Buchladen. Wir plauderten über alte Zeiten. In der Schulzeit konnte sie fantastisch zeichnen und eigentlich war sie die geborene Künstlerin. Als Erstes hielt sie die Aufnahmeprüfung von der Kunstakademie fern. Sie wollte keine Absage und hatte sich deshalb gar nicht erst beworben. Um die Enttäuschung zu meiden. Also studierte sie Kunstgeschichte. Nach diesem Studium hatte sie den Mut, sich an der Kunstakademie zu bewerben, und wurde selbstverständlich aufgenommen. Nur wurde aus ihr keine Künstlerin, sondern eine wirklich begnadete Restauratorin. Doch warum?
Sie erklärte, sie wolle glücklich leben und habe das Leiden satt. Natürlich spielte auch der finanzielle Part eine Rolle – so kam sie überhaupt zur Restauration. Sie könnte ja nebenbei malen ...
Sie sei nur in ihrem größten Kummer kreativ. Wir tranken gemütlich einen Kaffee und verabschiedeten uns, bevor sich wieder jede seinem Leben zuwandte.
In meinem Kopf blieb die Frage zurück: Muss ein Künstler wirklich leiden, um kreativ zu sein und tiefgründige Kunst zu erschaffen?
Irgendwie erinnerte mich dieser Gedanke an mein Deutschabitur. Dort war das Thema der Erörterung: Haben literarisch wertvolle Romane immer ein trauriges (schlechtes) Ende und sind Bücher mit Happy End automatisch Schundromane, jenseits der Realität?
Die Buchhändlerin in mir brüllt: NEIN! Es gibt wundervolle Romane, die irgendwie gut enden. Vielleicht nicht für jeden Protagonisten, aber sie lassen uns insgesamt zufrieden zurück. Der Teufel auf meiner Schulter feixt: Nur Schwachköpfe glauben an Happy Ends.
Gut, dazu werde ich nun meine Kunden befragen. Eine spannende Idee. Was ist Ihr Lieblingsbuch und hat es ein Happy End? Wenn ja, war es tiefgründig oder hat das Happy End den ganzen Roman verdorben?
Dies wäre ein wundervolles Thema in einem Literatursalon ... mal sehen, ob ich hierfür nicht ein paar meiner Stammkunden für einen gemütlichen, anregenden Abend gewinnen kann.
Und hiermit feierlich geboren: DER LITERATURSALON in meinem kleinen Laden.

Literatur zur Recherche:
1001 Bücher – die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist. Hg. Peter Boxall
Big Magic ‒ Elizabeth Gilbert

 

Des einen Freud, des anderen Leid
Der Teufel in mir