Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Der Einbruch

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Beinahe täglich bin ich genervt vom „Gezocke“ meiner Kinder. Handy hier – iPad dort und Nintendo leistet auch ganze Arbeit.
Auf „Essen ist fertig!“ reagiert kein Mensch – selbst mein Ehegatte starrt wie gebannt auf das Handy. Die vereinbarte Stunde mit den Kindern zieht sich immer in die Länge und lässt sich kaum kontrollieren. Dabei könnte ich ihnen jetzt so viele Bücher mitbringen – wie hätte ich mir als Kind danach die Finger geleckt! Kaum Interessen. Die Mädeln lesen zwar Pferdebücher, doch der Große interessiert sich höchstens für das Guinnessbuch der Weltrekorde.
Ich finde, es wäre Zeit für eine Onlinepause. Kein Mensch kennt mehr langweilige Sonntage. Bei denen einem nichts anderes übrig bleibt, als sich in der Fantasie Geschichten auszudenken. Oder einfach nur die Straßenkreuzung zu beobachten. Oder Tiere in den Wolken zu suchen. Mein Sohn denkt womöglich, Wolken wären eckig wie bei Minecraft.
Heute Nachmittag ist es wieder besonders schlimm.
Ich drehe durch. Mein Teufel meint: „Wenigstens hast du deine Ruhe!“ – „Ich möchte aber gar nicht meine Ruhe. Ich möchte Kinder, welche die Welt noch mit ihren Sinnen erfahren und Raum für Fantasie haben.“
Und dann komme ich wieder wie ein Wachmeister mit der Uhr.
„Aufhören! Die Medienzeit ist vorbei.“
„Gleich“, wird mir entgegengemurmelt.
GLEICH höre ich gefühlte hundert Mal am Tag. Gefolgt von: „Noch kurz dieses Level, dieses Video ... Alles noch absichern.“
AAAAHHHHH! Irgendwann packt mich die Wut und ich schreie:
„Wenn ihr nicht sofort aufhört, schmeiß ich alles zum Fenster hinaus!“
„Mach doch!“, stichelt mein Teufelchen. „Feigling.“
Ich ignoriere es und gehe zum Sicherungskasten, um in bestimmten Zimmern den Strom abzuschalten. Endlich kommen Reaktionen. Zwar keinesfalls freundliche ... eher aggressives Geschrei.
Ich verlasse das Haus zu einem Spaziergang. Atme die frische Luft ein … da rattert es bereits in meinem Gehirn. Der Teufel ist nicht ganz unbeteiligt. Er flüstert mir ein: „Lass doch dieses ganze elektronische Zeug verschwinden ... über Nacht.“
Das ist ein Ansatz. Ich müsste einem Einbrecher einen Tipp geben. Aber der hinterlässt bestimmt eine Riesensauerei ...
Nachts, als mein Mann auf Geschäftsreise ist und alle Kinderlein endlich schlafen, ziehe ich meinen schwarzen Overall an, stülpe mir eine Strumpfhose über das Gesicht und nehme die Taschenlampe und einen großen Karton.
Als ich am Spiegel vorbeischleiche, muss ich kichern und mir wäre nach einem Selfie. Der Teufel sitzt riesig auf meiner Schulter und grinst von einem Ohr zum anderen. Ich hoffe, dass keines meiner Kinder aufwacht und ein lebenslanges Trauma hat. Der Teufel lacht hämisch. –„Was bist du bloß für ein Weichei! Los, sammle schleunigst das Zeug ein!“

Literaturlinks:

Christian Cohrs, Eva Oer: Generation Selfie
Florian Buschendorff: K.L.A.R.-Taschenbuch: Ohne Handy - voll am Arsch!
Molly Wigand: Heute mal ohne Handy, Computer & Co.

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Das Ende der Idylle
Der Mahnbescheid.