Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Es geht ja doch ... buch-stäblich!

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Die „Wende“ kam bei einem Friseurbesuch. Dort – als zum wiederholten Male versucht wurde, meine silbergraue Strähne zu übertünchen – hörte ich von dem kleinen Hutladen, der zu vermieten war. Er stand schon Jahre leer und nun hatte ihn die Nichte geerbt. Sie war bereit, ihn zu renovieren und zu vermieten. Ich erinnerte mich an die alten Holzregale, die hohe altmodische Theke und die zahlreichen ovalen Spiegel. Oh je, hoffentlich würde sie nicht alles rausreißen. Welch wunderbare Vintage-Ecke! In Städten unbezahlbar und der absolute Trend. Der Figaro meinte, die Nichte käme in einer halben Stunde. Manchmal passt einfach alles. Wir sprachen miteinander und ich erzählte ihr von meinem Traum, einem Buchladen inklusive Café und kleinen Leckereien, die man zusätzlich zu einem Buch würde erwerben können. Sie gab mir ihre Karte und wir vereinbarten eine Besichtigung der Ladenflächen. Wenn ich selbst renovierte (da würde mein Schwager ranmüssen, als Wiedergutmachung für die gelesenen Tagebücher), würde sie mir die ersten zwei Jahre eine supergünstige Miete zusichern. Seitdem spürte ich die Erregung in jeder meiner Zellen. Nach einer Familienkonferenz und dem Gespräch mit der Vertreterin eines Großhandels für Bücher sah es nun so aus, als würde sich ein Puzzleteil ins nächste einfügen. Finanzierungspläne, Mitarbeitersuche (ich kann ja nur vormittags arbeiten, nachmittags kommen die Kinder, die Kaninchen und der Haushalt an die Reihe) und Renovierung nahmen mich voll in Anspruch. Obwohl ich kräftemäßig am Limit war und nachts oft nicht schlafen konnte, vor lauter Sorgen, ob bis zur Eröffnung auch wirklich alles fertig würde, sitze ich nun in meinem eigenen Traum und warte auf Kunden. Keiner sagte mir, dass man hierfür schon etwas Geduld benötigt. Wobei, genügend Lesestoff habe ich ja-glücklicherweise! Ich liebe es, an den Büchern zu riechen und morgens die Bestellungen auszupacken. So viel Inspirationen! Bislang vermisse ich die Werbung nicht. Meine Kunden sind begeistert, dass es in unserem kleinen Städtchen wieder einen Buchladen gibt, auch wenn die Kasse noch nicht allzu freudig klingelt, dennoch: Ich habe viele lächelnde Kunden! Außerdem wird es demnächst einen Lesenachmittag geben, sonntags zu Kaffee, Kuchen und Lyrik. Meine zwei Aushilfen für die drei Nachmittage sind ganz reizende Buchhändlerinnen, die sich bereits in Rente befinden und nun froh sind, der Langeweile des Alters zu entfliehen. Wir sehen uns meist kurz mittags, bevor ich nach Hause hetze, und abends, um die Kasse zu machen und die Erträge zur Bank zu bringen. Klar ist, ich werde wohl Hilfe von meinen Kollegen aus der Werbebranche brauchen. So richtig bekannt ist meine kleine Buchboutique nämlich noch nicht. Also, Freunde der Werbung – ran an das Buch und die besten Werbeideen her zu mir.

Lektüre, die meinen Traum in mir weckte:

- Aus Liebe zum Buch Ann Patchett

- Lesen und lesen lassen: Geschichten und Gedichte für Buchliebhaber Nikolaus Heidelbach und Daniel Kampa (Hgs.)

Und plötzlich war ich ein guter Mensch...
Philosophie und was ist der Sinn?