Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Geheimes Tagebuch - Wie die Maske von Cro

Die Maske von Cro oder die Anonymität des Internets

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Ich schreibe. Schon immer. Also seit ich des Schreibens mächtig bin. Seit damals führe ich Tagebuch. Anfangs zum Festhalten der Ereignisse ‒ beispielsweise das Mittagessen, die Hausaufgaben oder über meinen kleinen Hasen. Später um die Welt zu verändern. Revolutionäre Schriften, flammende Reden und die Erkenntnis, alles Übel entspringe der Bequemlichkeit des Menschen. Dann folgte die Entdeckung meiner Sexualität mit allen Höhen und Tiefen. Mit Pleiten und Pannen, feuchten Zungenküssen und Angst vor einer Schwangerschaft mit 17. Die Zeiten und Themen änderten sich, nur das Schreiben blieb. In den Tagebüchern unzensiert, voller Fehler und radikal ehrlich.

Nun fand mein Schwager beim Aufräumen des Kellers meiner Mutter eben jene Tagebücher der Teenagerzeit. Er las darin. Natürlich! Erfahren habe ich davon von meiner Schwester, die sagte: „Mein Mann sagt, du kannst richtig gut schreiben.“ Erst dachte ich: Klar, ich bin ja auch Texterin in einer Werbeagentur. Auch wenn ich dort zu Diensten der Kunden schreibe und auf radikale Ehrlichkeit und die Verrücktheit meiner Einfälle verzichte. Doch dann wartete sie mit Details auf, die mir die Schamesröte ins Gesicht steigen ließen.

Gut, das alles ist lange her, aber ich schreibe noch immer Tagebuch. Gewagte, ehrliche Texte, die keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten meiner Umwelt nehmen und schon deshalb nicht für deren Augen gedacht sind. Was, wenn meine Kinder oder mein Mann diese Ergüsse lesen und wissen, dass ich diese Texte verfasst habe? Der Ärger wäre unvorstellbar, denn welche Frau möchte nicht ab und an ihren Mann mindestens auf den Mond schießen, betrügen oder gar mundtot machen.

Die Idee kam blitzartig. Ich bin nun schon seit dem Schwager-Keller-Vorfall auf Schreibentzug. Furchtbar. Also ein Kunde der Werbeagentur war es, der mir schließlich die Lösung brachte. Er jammerte über eine Stunde, dass er nicht im Internet zu finden sei. Kein Mensch lese oder beachte seine Internetseite. Schon gar nicht seinen BLOG. Ich hätte ihn küssen können. Nicht weil er nun viel Geld bei meinem Arbeitgeber lässt, um diesen furchtbaren Zustand zu ändern, sondern weil ich dadurch schreiben kann. Sozusagen unentdeckt. Und wenn es dennoch jemand liest, dann wird er mich nicht erkennen. Ich habe sozusagen eine Maske auf. Wie Cro, der mir aus dem Zimmer meines Sohnes mit sanften Augen entgegenblickt. Der Rapper hatte sich seine Maske ja anfangs auch als Schutz aufgezogen, bevor er zum Kult wurde.

Genial! Ich bin stolz über meinen Geniestreich und werde mit meinem Online-Tagebuch starten. So frivol, so frech, so politisch unkorrekt, so rücksichtslos ehrlich, wie ich es eben möchte. Und ich werde die Maske nicht lüften.

Denn ich bin Lucy, der Schreck des Internets.

Der Metzger oder chronisch untervögelt
 

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Donnerstag, 19. September 2019