Lucy Schreck - ein geheimes Tagebuch

Nirgends kann man so anonym schreiben wie im Internet. Unverfälscht, ehrlich und manchmal auch rücksichtlos seine Gedanken äußern und dadurch sortieren. Eventuell sogar eine Diskussion anzetteln. Lucy Schreck –so versteckt wie Cro hinter seiner Maske – schreibt über und aus ihrem Leben. Voller Pannen, Hindernisse und den Gedanken einer Frau, die als Werbetexterin den Traum von der eigenen Buchhandlung hat. Wird Sie den Schritt wagen und wenn ja wie wird sich ihr Leben verändern? Ein Blog wie das Leben zwischen Höhen und Tiefen, erstaunlichen Erkenntnisse und völliger Ratlosigkeit.

Philosophie und was ist der Sinn?

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Philosophie und was ist der Sinn?

Wie soll ich nur leben? Keiner hat dies eindrucksvoller erörtert als Michel de Montaigne, auch wenn seine Aufzeichnungen schon Jahrhunderte zurückliegen.
Ich holte sein Buch aus dem Bücherregal, als ich mich in einer Psychoübung festgedacht hatte. Solche Tests scheinen mich magisch anzuziehen. Den Sinn meines Lebens würde ich erkennen, wenn ich mir meinen Tod vorstelle.
Demokrit, ein Zeitgenosse von Sokrates, hatte so etwas Ähnliches gesagt: Denke an deinen Tod und nimm nur diejenigen Mühsale auf dich, die notwendig sind. (Zitat aus Philosophie to go, Autor Albert Kritzler, S. 221.)
Also gehe ich zu dem Punkt in meinem Leben, der auf alle Fälle eintreten wird: der TOD. Selbst Jesus konnte ihm nicht unmittelbar entgehen. Wahrscheinlich werde ich so tatsächlich herausfinden, was ich vom Leben möchte und welche Mühsal nun mal dazugehört und welche zu vermeiden wäre.

MEIN LETZTER TAG – und dann: DIE REDE ZU MEINER EIGENEN BEERDIGUNG

Sie liebte Bücher. Sie liebte das Schreiben und sie liebte ihren kleinen Buchladen, in dem sich Menschen trafen, um miteinander zu reden ‒ das heißt, um tatsächlich miteinander zu reden, nicht bloß zueinander ‒, miteinander zu diskutieren und sich gegenseitig an ihren kostbaren Schätzen teilhaben zu lassen.

Sie hat ihren Traum gelebt.

Lebe ich momentan meinen Traum? Irgendwie hatten mich der Alltag, die Kinder und die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, weit von meinen Träumen entfernt.
Klar – dem Buchhandel ging es schon besser. Und trotzdem ‒ es geht doch nichts über eine warme Tasse Tee, einen aromatischen Milchkaffee oder über ein fesselndes Buch. Ich bin ein Freak. Meine Töchter sagen: „Mama, du bist süchtig nach Büchern!“ Wenn ich lese, vergesse ich die Welt um mich herum. Tauche ein in das Leben der Protagonistinnen und Protagonisten oder in die Köpfe von Hexen, Amazonen oder Philosophen.
Ich fresse Buchstaben. Meine Gier nach guten Geschichten und neuen Erkenntnissen ist unersättlich.
Außer die Bildzeitung, die meide ich. Warum? Na, wegen Böll und Wallraff.
Was schreibt ER nun – der Philosoph Montaigne?
„Habe ein Hinterzimmer in deinem Geschäft.“ Diesen Gedanken äußert er in seinem „Essai“ über die Einsamkeit.
Was er damit meint: Ruhe zum Nachdenken. Ruhe zum Zwiegespräch. Ruhe, um kreativ zu arbeiten.

Leider besitze ich noch kein Geschäft und wahrscheinlich ist der unsinnigste Grund, sich selbstständig zu machen, ein Hinterzimmer zu besitzen! Doch der Gedanke, einmal gedacht, lässt mich nicht mehr los. Was für ein Traum! Ein eigenes Zimmer und ein Geschäft voller Bücher, voller Geheimnisse und Geschichten, über das Leben und über die Liebe, über Menschen und über Unmenschen Die Welt in meinem kleinen Laden. Tagträume, die immer mehr Raum einnehmen.
Also, wie soll ich leben?
Je ne regrette rien. – Bedauert wird nur, was wir nicht getan haben. Deshalb: Nur Mut, liebe Lucy!

Mit neu gefasstem Mut muss ich feststellen, dass meine Grabrede mehr als banal, ja geradezu langweilig klingt! Gut, Papier ist geduldig. Ich versuche es erneut, dieses Mal dem Vorsatz folgend: Ich bedauere nichts!

Ihr Leben war spannend wie ein Krimi. Trotz Widrigkeiten des Lebens folgte Lucy ihrer Vision – bekämpfte Ungeheuer, traf Elfen und hatte einen eigenen Kobold.
Sie entdeckte in sich den Teufel und war dennoch ein Segen. Ihre verrückten Ideen erhellten unseren Alltag. Sie werden noch lange nach ihrem Tode in unseren Köpfen herumspuken und uns ein Kichern bescheren.

Ein hoher Anspruch! Er gefällt mir – auf geht’s, du kleiner Teufel, höre auf zu philosophieren und stürze dich in das Abenteuer!


Bücher:
Philosophie to go
Albert Kritzler
Wie soll ich leben?
Sarah Bakewell

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